3 Gründe, warum ich nicht mehr bei Facebook bin

3 Gründe, warum ich nicht mehr bei Facebook bin

Dies ist ein anonymer Gastbeitrag.

„So was tut doch Niemand wirklich,“ dachte ich. „Wer drin ist, bleibt drin.“ – Oder doch nicht? Heute bin ich nicht mehr bei Facebook. Der Auslöser dafür war eine Freundin. Ich dachte mir: „wenn sie das schafft, was ich mir schon lange vorgenommen habe, dann kann ich das auch!“ Die Idee hatte ich also schon lange. Mit der Umsetzung haperte es jedoch.

Ich habe nicht vor, hier eine glühende „löscht-alle-sofort-euer-Facebook-Profil“ Rede zu halten. Dazu mag ich Internet Community viel zu sehr. Deshalb habe ich hier drei Gedankenanstösse zusammengestellt, die ihr euch durchlesen könnt.

 

Kontrolle als Lebensstil

Was hat denn Internet Community mit Lebensstil zu tun? Das habe ich mich auch gefragt. Bis zu dem Tag, als ich – zu meiner eigenen Überraschung – einem Freund erklärte, ich würde gerne mein reales Leben auch so leben können wie ein 24 Stunden – Onlinegame.

Wer hat nicht gerne alles unter Kontrolle? Auf Facebook kann ich mein Leben perfekt inszenieren. Meine Sprüche klingen immer cool, Fotos kann man zur Not auch mal retuschieren, Freunde gibt’s jede Menge und sogar gratis ;), …

Doch im „echten“ Leben ist vieles sehr viel komplizierter. Da lässt sich vieles weder arrangieren noch planen. Wie kommt man denn dazu, diesen Wunsch nach der totalen Kontrolle auf das echte Leben zu übertragen? Ganz einfach: Wenn man das Internet (Facebook) missbraucht!

Wenn nämlich Facebook Erfahrungen im „echten“ Leben ersetzt. Einfaches Beispiel dazu aus meinem eigenen Leben: Ich war ein junger Teenager als Chats und andere Internet Community Seiten aufkamen. Da ich gerade Schwierigkeiten in meinem realen Leben hatte, war das Internet für mich eine willkommene Zuflucht. Doch vor dem tatsächlichen Leben kann man sich nicht für immer verstecken. Das Leben findet nun mal primär in der wirklichen Welt statt. Und das Leben hat seinen Sinn darin, dass es gelebt wird (inkl. Risiken). Hier versteckt sich eine Gefahr für Jugendliche. Denn gerade für Jugendliche ist es mega wichtig, dass sie Erfahrungen im richtigen Leben sammeln. Sie müssen lernen zu vertrauen, Enttäuschungen zu verarbeiten, mit Gefühlen umzugehen etc. In Facebook kann man distanziert von sich selber und seinen eigenen Gefühlen agieren.

Der grosse Vorteil der heutigen Generation an Jugendleitern ist, dass ihnen Chancen und Gefahren des Internets oft bestens vertraut sind. Also nutzt euer Wissen!

 

Das mit der Sucht

Hat Facebook Suchtpotenzial? Ich persönlich denke, dass diese Frage gar nicht so wichtig ist. Denn wer eine Suchtneigung hat, wird das früher oder später selber herausfinden. Fragt sich natürlich, was denn eine „Sucht“ in diesem Sinne überhaupt ist. Vielleicht kann man das so sagen: Man sucht etwas, findet es nicht, sucht weiter, sucht weiter, sucht weiter, …

Ich hatte schnell einen Ersatz für Facebook. Ich wählte mich bis zu zwanzig Mal pro Tag in mein liebstes Stellenmarkt Portal. Vielleicht ist die „Sucht“ an sich gar nicht so schlimm. Wichtig ist viel mehr, sich dessen was man tut, bewusst zu sein (Reflexion!): „Man befriedigt seine Sucht jetzt und weiss genau, dass man danach doch nicht wirklich befriedigt ist“. Irgendwann beginnt man sich dann vielleicht zu fragen, wie viel Zeit seines Lebens man damit verbringt die eigenen Süchte zu befriedigen. Das hat dann irgendwie so einen Leerlauf – Touch. Weil man ja immer wieder etwas für rein gar Nichts tut. Und wer will schon sein Leben im Leerlauf leben?

 

Überreizung!?

Wie viele Reize braucht ein Mensch? Tatsache ist, dass unsere Gesellschaft immer schneller, komplexer und reizgefüllter wird. Reize sind das was von aussen (Bilder, Töne, Informationen, etc.) und von innen (Gefühle, etc.) zu unserem Hirn strömt und dort verarbeitet wird. Es gibt unzählige Generationen von Menschen, die alle mit sehr viel weniger Reizen überlebt haben als wir sie heute haben. Das ist manchmal gut zu wissen, in einer Zeit wo fast jeder zweite Jugendliche glaubt, nicht mehr ohne seinen MP3 – Player zu überleben.

Doch was hat das jetzt mit Facebook zu tun? – Ganz einfach: Auf Facebook begegnet uns eine riesige Fülle an Reizen. Das muss man einfach einmal wissen. Die Leute, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, sind größtenteils meine Freunde auf Facebook.

Ich sehe, wer alles meiner besten Freundin Kommentare postet? Natürlich bin ich wegen so was nicht eifersüchtig. Doch warum hat die jetzt bloss wieder geschrieben? Will sie sich bei ihr einschleimen? Oder will sie etwa mir eins auswischen? Ich weiss ja schon lange, dass sie mich nicht mag… Na ja, das geht ja noch. Schlimmer ist es, wenn ich verliebt bin und auf Facebook recht gut mit verfolgen kann, wer da sonst noch so alles Interesse hat…

Okay, ihr seht, zu den äusseren Reizen kommen ganz schnell auch innere Reize (Eifersucht, Wut, etc.). Eine Statusmeldung einer Person, die mir gerade im realen Leben zu oft in die Quere kommt, vermiest mir den Tag. Muss X denn unbedingt der ganzen Welt mitteilen, was sie heute Abend geplant hat? Es ärgert mich gerade, dass ich mich darüber überhaupt aufrege. Eigentlich sollte es mir ja egal sein. Wer hat wohl alles meine neue Statusmeldung gelesen? Und vor Allem, wer hat wohl was gedacht? Hat es XY auch gelesen?

Irgendwann fühle ich mich total ausgestellt. Meistens habe ich sowieso keine Lust etwas zu schreiben. Und ich lese dauernd Dinge, die ich eigentlich gar nicht wissen will. Trotzdem will ich auch nichts verpassen und logge mich dauernd ein, bzw. gar nicht mehr aus. Ich schaue mir die Fotos von Leuten an, die ich nicht mag und ärgere mich innerlich. – „Wie doof!“

Natürlich ist mir bewusst, dass die Meisten damit keine Probleme haben. Das liegt auch daran, dass Menschen Reize sehr unterschiedlich stark wahrnehmen. Bleibt nur noch die Frage: Wie viele Reize brauchst du denn?

Okay, ich bin ganz froh, dass ich diesen Artikel jetzt geschrieben habe. Denn wer weiss, wie lange ich noch ohne Facebook leben werde. Ich muss ehrlich sagen, dass gerade in meinen Sommerferien der Gedanke daran, mein Facebook Profil zu reaktivieren öfters aufkommt. Ich habe Zeit. Umso besser, dass ich die Zeit jetzt genutzt habe, diesen Artikel zu schreiben. Denn das wollte ich schon lange…

 

– Anonym

About Andreas Fronius

Andy ist der Jugend-Pastor in der Crossroads International Church of Basel und arbeitet für Young Life Schweiz. Seine Leidenschaft gilt dem predigen und ausrüsten junger Leute für eine effektive Jugendarbeit. Du kannst dir seine Jugendarbeit hier ansehen: redbasel.ch.

1 Comments

  1. ajf

    Danke für diesen Beitrag! Ich bin schon länger am Überlegen, ob ich mein Konto bei FB deaktiviere und dann irgendwann lösche. Vielleicht tue ich das mal mit irgendwem zusammen, dann geht’s ja wie immer irgendwie auch einfacher 😉
    Liebe Grüße!

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