Abendmahl mit Honigmet – die Heavy Metal Gemeinde!

Abendmahl mit Honigmet – die Heavy Metal Gemeinde!

Interview mit Sven, Leiter der Schwarzen Braut, einer Heavy Metal Gemeinde nahe Zürich.

Wie entstand die schwarze Braut?

„Nach der Spaltung einer Jesusfreaks-Gemeinde blieben einige Mitglieder übrig welche ein Herz hatten für die Metal und Gothicszene und dieser eine (geistliche) Heimat bieten wollten. Sie wollten anstelle einer Jesusfreaks-Gemeinde etwas neues entstehen lassen, dass sich ausschliesslich für diese Szene einsetzt.“

Wie viele Mitglieder habt Ihr?

„Wir sind rund 10 Mitglieder.“

Wie kommt Ihr mit anderen Gemeinden & Christen zurecht? – Gibt es Zusammenarbeit?

„Da gibt es sehr unterschiedliche Erfahrungen. Unsere Kapelle, die wir leider bald verlassen müssen, wird uns von einer Chrischona-Gemeinde vermietet, einige Besucher und auch Mitglieder besuchen nebenbei auch andere Gemeinden, vor allem Angehörige und Freunde sehen uns vermehrt als ganz normale Gemeinde und auch sonst gibt es immer wieder Christen, die sich sehr für uns interessieren.

Leider gibt es aber immer noch sehr viele Christen die uns eher weniger akzeptieren. Eines der Hauptargumente ist dabei die Rockmusik, welche leider immer noch verteufelt wird. Obwohl ständig gegen neue Strukturen in der Kirchenmusik- oder allgemein in der Musikgeschichte aus christlichen Kreisen rebelliert wurde, wird Rockmusik seit Jahrzehnten als Teufelsmusik bezeichnet. Um diese Thema hat jeder von uns schon etliche Diskussionen geführt, welche oft nicht klärend endeten. Wir hatten auch schon einen Gastredner, welcher anschliessend in seiner Story über uns her zog und alles an uns verteufelte. Einer seiner Mitarbeiter, welcher einen anderen Gastredner musikalisch begleitete, hat sich dann aber bei uns entschuldigt für sein Verhalten, er war nämlich hell begeistert von unserer Vision.“

Wie ist die Gemeinde strukturiert? Wer leitet? Gibt es einen Vorstand? Älteste? Einen Verband dem die Gemeinde angeschlossen ist?

„Unsere Gemeinde wird von einem Vorstand geleitet, bzw. organisiert. Die Aufgabe dessen ist, die Koordination der Anlässe, sowie die Unterhaltung der Infrastruktur. Sonstige Arbeiten werden unter den Mitgliedern aufgeteilt. Grundsätzlich zählt die Stimme von jedem, der Vorstand ist lediglich dafür da den Karren in Schwung zu halten und die gesetzlichen Bedingungen für einen Verein zu erfüllen.“

Habt ihr einen Pastor?

„Nein, wir haben einen geistlichen Leiter, welcher für Predigten, Inputs und geistliche Unterstützung zuständig ist. Im Moment wird er unterstützt von einem „Newcomer“. Wir versuchen aber jeden in die Runde einzubringen um den Glauben zu einer persönlichen Sache zu machen.“

Wie finanziert Ihr euch?

„Durch Spenden.“

Wieso gerade Gothic? Und welche Rolle spielt die Gothicszene für die Gemeinde?

„Unsere Page ist veraltet, wir sind seit letztem Jahr offiziell keine Gothicchurch mehr, „nur“ noch eine Metalchurch. Wir kommen bzw. sind alle in der Metalszene. Uns liegen die Metaller und die Szene am Herzen. Kurz: Ohne Metal gäbe es unsere Gemeinde nicht.“

Wie geht die Gemeinde mit Kindern und Senioren um?

„Kinder haben wir, ein angehender Teenie und ein ganz kleines. Wir versuchen sie so gut es geht in die Gemeinde zu integrieren. Ein Spezialprogramm bieten wir (noch) nicht an, da wir keine normale Gemeinde sind sondern in erster Linie für die Metalszene da sein wollen. Zudem beobachten wir wie gerade Jesusfreaks-Gemeinden immer mehr zu Familienkirchen werden und ihre ursprüngliche Vision oft verlieren. Das wollen wir in unserer Gemeinde eigentlich verhindern. Senioren haben wir keine, willkommen sind sie aber. Das Problem ist da sicher die Musik und die Szene in der sehr wenig Senioren dabei sind.“

Was ist eure Vision?

„Wir wollen uns unters Volk, die Szene, mischen und ihnen zeigen, dass Gott nicht ein Religionsfanatiker ist, der alles verbietet nur um möglichst spiessig und spasslos zu sein, sondern ein wahrer Freund und Retter. Metaller haben oft ein sehr falsches Bild von Gott, dieses wird leider auch noch von vielen Christen unterstützt indem sie an Konzerte und Festivals gehen und Metaller als schlechte Menschen beschimpfen oder alles schlecht machen was mit Rock zu tun hat.

Wir wollen da sein für Metaller, ein Licht sein in dieser oft düsteren Gesellschaft aber auch Christen zeigen, das Metal auch mit Jesus funktioniert. Christliche Metaller sind in vielen Gemeinden nur toleriert statt akzeptiert. Bei uns dürfen sie auch richtig dazugehören.“

Was bedeuten die Bezeichnungen eurer Events wie z.B. „Waldbrutisnacht“?

„Wie die einzelnen Bezeichnungen entstanden sind kann ich nicht sagen, da bin ich zu wenig lange dabei. Die Endung „-fest“ anstelle von Gottesdienst basiert auf dem Gedanken, dass wir doch jeden Tag Gott dienen, bzw Gott uns jeden Tag dient, wieso soll es dann noch Gottesdienst heissen? Ist es nicht auch ein Fest zu Ehren Gottes bzw mit Gott? Der Hintergedanke dabei war vielleicht auch einfach anders zu sein, kein 08/15 Schema einer Kirche zu übernehmen und es ein bisschen mit Subkultur zu bepinseln sondern etwas eigenes zu erschaffen.

Das Mysticfest kommt noch aus der Zeit als wir eine Metal- und Gothicchurch waren. Es war eigentlich unser Gothicabend, speziell für die Gothics, geführt von einem Goth. Mit Gedichten, Gothicmusik und Abendmahl. Das spezielle war noch, dass wir unsere eigenen lyrischen oder musikalischen Beiträge machen konnten. Diesen Teil, sowie das Abendmahl haben wir auch übernommen. Es soll ein persönlicher „mystischer“ Abend sein.

Das Brautfest heisst so weil es das grosse Fest der Schwarzen Braut ist. Wir treffen uns um gemeinsam zu essen und anschliessend ein „Gottesfest“ zu feiern und eine Predigt oder manchmal auch die Rede eines eingeladenen Gastredner zu hören.

Wieso das Knochenfest so heisst weiss ich nicht, vielleicht weil es eine Predigt gibt die wir bis auf die Knochen spüren sollen? -Keine Ahnung, vielleicht heisst es einfach so, damit es einen Namen hat.

Die Waldbrutisnacht entstand als unter anderem ich an einer Musikschule war sowie einige in der Rekrutenschule und es für uns unmöglich war am Freitag in die Kapelle zu kommen. So entschlossen wir uns einmal im Monat an einem Samstag zusammen in den Wald zu gehen und gemeinsam über dem Feuer zu kochen oder eine Wurst zu braten. Mittlerweile geht es vor allem auch noch darum die Kinder dabei zu haben und zudem ist es eine ideale Gelegenheit um Freunde mitzunehmen die nicht gerne in eine Kapelle gehen würden. Anfangs gab es auch noch einen Input, mittlerweile lassen wir das, da wir auch wollen, dass die mitgenommenen Freunde sich erst einmal an die (ach so gefährlichen) christlichen Leute gewöhnen können. Die Hemmschwelle bei Nichtchristen ist da erstaunlich hoch. Der Name kommt daher, dass wir keinen Namen hatten und jemand den Abend mal aus Witz Waldbrutisnacht nannte. Jedenfalls kam es, soviel ich weiss, noch nie vor, dass wir nackt ums Feuer getanzt sind.“

Vielen Dank für das Interview!

 

About Andreas Fronius

Andy ist der Jugend-Pastor in der Crossroads International Church of Basel und arbeitet für Young Life Schweiz. Seine Leidenschaft gilt dem predigen und ausrüsten junger Leute für eine effektive Jugendarbeit. Du kannst dir seine Jugendarbeit hier ansehen: redbasel.ch.

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