Alle raus auf die Straße – jetzt wird evangelisiert!

Alle raus auf die Straße – jetzt wird evangelisiert!

Interview mit Gabriel, Leiter der Netzwerk Schweiz, einer Evangelisationsplattform.

Was ist das Netzwerk Basel?

Netzwerkbasel ist ein Gemeinschaftsprojekt von 13 Kirchen und Werken. Bereits seit drei Jahren finden im Rahmen dieses Projektes jede Woche evangelistische Strasseneinsätze statt. KREATIVITÄT wird bei uns gross geschrieben, doch das stärkste finde ich, dass Christen gemeinsam, jung und alt, konservativ und charismatisch, das Evangelium in die Strassen von Basel tragen.

Wie kamst du dazu das Netzwerk zu gründen?

Meine Frau und ich waren während unserem Theologiestudium an einem Samstag Abend in Basel unterwegs. Damals wohnten wir noch in Aarau. An diesem Abend passierte etwas krasses: Wir sahen die Menschen auf der Strasse und wurden tief über ihre Verlorenheit berührt. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht gehen sie dem Abgrund entgegen. Und wo sind die Christen? Die sitzen in einem Keller und feiern ihren Jugendgottesdienst. (Nichts gegen Jugendgottesdienste 🙂 ) An diesem Abend sprach Gott zu uns: Kommt nach Basel und mobilisiert die Christen damit sie diesen Menschen das Evangelium bringen. Drei Monate später leben wir bereits in Basel 🙂

Und wie funktioniert das Netzwerk Basel?

Jede Gemeinde die Mitarbeiten möchte muss drei Punkte erfüllen:

  1. Die Gemeinde stellt einen Delegierten welcher von der Gemeinde aus Leitungsfunktionen im Netzwerk übernimmt und Christen in seiner Gemeinde für die Einsätze mobilisiert
  2. Die Gemeinde überlegt sich, wie viel Geld sie monatlich ins Netzwerk investieren möchte. Somit finanzieren die Gemeinden dieses Projekt und nicht Spendengelder…
  3. Die Gemeinde arbeitet praktisch an den Einsätzen mit. Jede Gemeinde soviel wie sie kann und will.

Braucht man eine besondere Gabe um bei Evangelisationen mit zu machen?

Die wichtigste Gabe dabei ist die Hingabe. Natürlich gibt es die ganz besonders berufenen Evangelisten, denen fällt das extrem leicht und die möchten am liebsten jeden Tag Einsätze machen. Doch die Meisten von uns sind das nicht. Aber wir alle sind berufen, von Jesus zu zeugen. Ein Teilnahme an einem Strasseneinsatz tut uns allen gut, sie ist echte Jüngerschaft. Als Netzwerk achten wir uns besonders darauf, verschiedene Teams anzubieten, Teams für erfahrene Evangelisten wie auch Teams für Anfänger.

Wie viele Menschen konntet ihr im Rahmen der Netzwerkarbeit zu Jesus führen?

Das ist schwer in Zahlen zu fassen. Im Jahr 2010 beispielsweise nahmen rund 2000 Christen an den evangelistischen Einsätzen teil. Unzählige Gespräche wurden geführt, es wurde viel gesät, in die Gemeinden eingeladen, neue evangelistische Beziehungen geknüpft, e.t.c. Dass sich Menschen gleich auf der Strasse für Jesus entscheiden ist leider in unseren Breitengraden eher selten. Es passiert immer mal wieder aber ehrlich gesagt forcieren wir das auch gar nicht. Wir ermutigen die Christen vielmehr, sich wieder mit den Leuten zu treffen, eine Beziehung aufzubauen damit Vertrauen da ist. Dann ist auch die Nacharbeit nach der Bekehrung viel einfacher. Dadurch haben sich schon einige Menschen bekehrt, aber auch da beten wir für Durchbruch.

Was würdest du Leuten raten, die auch auf die Straße gehen wollen – aber in ihrer Stadt kein Netzwerk haben?

Mein Rat: Gründe ein Netzwerk 🙂 Und sonst? Ich denke das wichtigste bei Strasseneinsätzen ist der Gesprächseinstieg. Überlege dir wie du die Menschen auf positive Art und Weise ansprichst und wie du dann die Brücke zum Evangelium machen kannst. Kreativität ist wichtig, doch man sollte damit vorsichtig umgehen. Denn manchmal kann einem die Kreativität bei der Evangelisation im Wege stehen. Manchmal ist es einfacher einfach direkt zu fragen ob die Menschen an Gott glauben, als ihnen zum Einstieg eine Seife zu schenken und dann versuchen den Übergang zu Jesus zu finden 🙂

Wie finanziert ihr euch?

Netzwerkbasel wird durch die Gemeinden finanziert, meine Frau und ich leben von einem Freundes- und Unterstützerkreis.

Auf welche Herausforderungen trefft ihr immer wieder? Womit habt ihr besonders zu kämpfen?

Ich merke dass Christen in der Evangelisation mit zwei Riesen konfrontiert sind: Menschenfurcht und Bequemlichkeit. Jemand der noch sehr wenig an Einsätzen teilgenommen hat, kämpft oft mit einer grossen Menschenfurcht. Er hat Angst vor Ablehnung oder dass ihm das Wort im Hals steckenbleibt. Wenn jemand häufig an Einsätzen teilnimmt ist diese Angst oft nicht mehr vorhanden, doch dann kämpfen wir Christen mit der Bequemlichkeit. Wir hören immer wieder von Christen, welche sich eigentlich vorgenommen haben am Samstag Nachmittag an einem Einsatz teilzunehmen, doch am Samstag Morgen extrem mit Demotivation e.t.c. zu kämpfen haben. Dies kann einen geistlichen Ursprung haben (Angriffe) aber oft ist es einfach der innere Schweinehund der einem Schlussendlich in die Knie zwingt. An einem Einsatz teilzunehmen bedeutet jedes Mal sich zu überwinden, aufzustehen, aktiv zu werden.

Was würdest du jemandem raten, der Angst davor hat, auf die Straße zu gehen um von Jesus zu erzählen?

Ich würde die Apostelgeschichte lesen und mir vor Augen führen, welchen Gefahren und Ablehnungen die Christen damals ausgesetzt waren. Und dann würde ich mir überlegen was mir denn schon gross passieren kann in der Schweiz oder in Deutschland. Die Antwort ist: Gar nichts. Ok, es kann sein dass Leute uns abweisen oder uns belächeln. Doch das tut uns ja nicht weh. Christen in Ländern wie Pakistan oder Saudiarabien geht es da ganz anders, umso mehr sollten wir diese Zeit der absoluten Religionsfreiheit intensiv nutzen, wer weiss wie lange sie noch anhält.

Ihr habt mitgeholfen, dass in verschiedenen anderen Regionen solche Netzwerke gegründet wurden. Was ist eure Vision für die Zukunft?

Wir beten dafür, dass in jeder Stadt oder Region ein Netzwerk entsteht, durch welches verschiedene lokale Kirchen gemeinsam regelmässig evangelistisch aktiv sind. Ich möchte dazu zwei Bilder malen: Wir möchten sehen, wie in diesen Regionen punktuell grosse Feuerwerke gezündet werden, wie z.B. Grossevangelisationen, Internetkampagnen e.t.c. Dadurch werden viele Menschen auf das Evangelium aufmerksam. Und gleichzeitig wollen wir in diesen Regionen einen Leuchtturm stehen sehen, der das Licht des Evangeliums zwar nicht so spektakulär in die Nacht herausstrahlt aber dafür beständig leuchtet. Ich bin überzeugt: Durch die regelmässigen evangelistischen Einsätze wird eine Region mit dem Evangelium durchdrungen.

Wir haben dazu die Dachorganisation Netzwerk Schweiz gegründet, in welcher die  verschiedenen lokalen Netzwerke vernetzt sind. Wenn jemand in seiner Region ein Netzwerk gründen möchte, dann unterstützen wir ihn durch ein Coaching. Weitere Infos dazu findest du auf www.netzwerkschweiz.ch.

Vielen Dank für das Interview!

About Andreas Fronius

Andy ist der Jugend-Pastor in der Crossroads International Church of Basel und arbeitet für Young Life Schweiz. Seine Leidenschaft gilt dem predigen und ausrüsten junger Leute für eine effektive Jugendarbeit. Du kannst dir seine Jugendarbeit hier ansehen: redbasel.ch.

2 Comments

  1. jeromin

    alle raus auf die Straße, jetzt wird evangelisiert. Liebe Geschwister, habe euren Artikel gelesen. Gehöre zu einer klitzekleinen Gruppe von Christen in Hannover, die übergemeindlich in kleinen GesprächsTeams in der Innenstadt zu festgelegten Terminen unterwegs ist. Wir brennen darauf mit Menschen ins Gespräch über Jesus zu kommen. Dem einen fällt es leicht, dem anderen nicht. Herzlichen Dank für euren Beitrag. Manchmal bin ich entmutigt, wenn ich höre, nö nicht meine Sache auf der Straße, nö trau mich nicht mit Arbeitskollegen über Jesus zu reden, nö Gespräche führen, hab andere Sachen zu tun. Klasse das du das machst, aber für mich ist das nichts. In der Bibel steht der Auftrag drin, den wir haben. Es gibt so viele Möglichkeiten das umzusetzen. Wir erleben viel Freude, auch Ablehnung, viele Ausländer wollen eine Bibel und beginnen oft sofort darin zu lesen.

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