Andacht: Von kleinen und großen Sündern

Andacht: Von kleinen und großen Sündern

Damit hatte Uli Hoeneß nicht gerechnet. Eines schönen Morgens standen die Fahnder vor seiner Haustür am Tegernsee. Als er im Bademantel der Staatsanwaltschaft die Tür öffnete „begann die Hölle“ für ihn, erzählt der der „Zeit“.

Eins muss ich gestehen: Uli Hoeneß ist ein bemerkenswerter Mensch. Er hat durch seinen Geschäftssinn und Engagement den FC Bayern München dorthin gebracht, wo er jetzt steht. Nicht umsonst gilt der FC Bayern als schuldenfreier Vorzeigeverein und steht als Favorit am 25. Mai im Champions League Finale. „Bayern München ist ohne Uli Hoeneß nicht vorstellbar“ sagte Schäuble gegenüber der Süddeutschen. Aber im gleichen Interview stellte der Finanzminister fest: „Steuerhinterziehung sei ein strafwürdiges Unrecht […] und besonders groß sei die Enttäuschung, wenn jemand eine herausgehobene Rolle spiele und sich sozial engagiere.“

Hoeneß selbst geht es gar nicht gut in dem ganzen Prozess. Im Interview mit der „Zeit“ spricht er davon, dass er schlecht schlafe und sehr viel schwitze in der Nacht. „Ich denke nach, denke nach und verzweifle.“ Und später räumt er ein: „Ich habe eine große Torheit begangen, einen Riesenfehler.“ Am Ende kommt der reuige Sünder zu dem Schluss: „Ich mache mir natürlich riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch“. Man kann mit Uli Hoeneß Mitleid haben – oder aber einfach nur geschockt sein über einen Mann, der die Moral hochhielt, sie von anderen einforderte – und letztlich selbst an seinen eigenen Maßstäben scheiterte. Hoeneß hat wirklich Dreck am Stecken. Das bleibt unbestritten. Er hat große Fehler gemacht und muss nun die Rechnung bezahlen. Sowohl in der Öffentlichkeit, als auch vor dem Fiskus.

Ich frage mich an dieser Stelle: Wie gehen wir eigentlich mit unserer eigenen Schuld um? Was machen wir, wenn wir denn, wenn wir gegen Gottes Gebote verstoßen? Tragen wir die Schuld auch jahrelang mit uns herum, so wie Uli Hoeneß? In der Hoffnung, dass es keiner mitbekommt? Und die Last wird immer schwerer, dass sie uns fast nicht schlafen lässt? Wir wälzen uns im Bett hin und her, denken nach und sind verzweifelt?

Ich finde das, was König David in Psalm 31 schreibt, bemerkenswert. Er erlebte das ähnlich wie Uli Hoeneß: „Tag und Nacht bedrückte mich dein Zorn, meine Lebenskraft vertrocknete wie Wasser in der Sommerhitze. Da endlich gestand ich dir meine Sünde; mein Unrecht wollte ich nicht länger verschweigen. Ich sagte: „Ich will dem Herrn meine Vergehen bekennen!“

Das, was mich fertig macht, das Heimliche, das was auf meinem Gewissen lastet – es muss raus. Nur wenn ich es bekenne, kann ich davon frei werden. In unseren evangelischen Kirchen ist das ja nicht so üblich – aber sie ist biblisch und gut: Die Beichte. Ich selbst habe das schon öfters erfahren, dass ich mit einem Pastor oder Freund gebetet habe. Er hat mir Vergebung zugesprochen und ich durfte wieder frei werden von Schuld. Ich konnte dann hingehen und Dinge in Ordnung bringen. Mit mir selbst und mit anderen.

König David singt und jubelt nach seiner Beichte: „Du hast mich befreit“. Ich kann das nur empfehlen, das auszuprobieren. Hingehen, abladen. Neu anfangen. Auch wenn wir die äußeren Folgen unserer Fehler tragen müssen – bei Jesus gibt es Vergebung für Schuld und Sünden.
Für dich. Für mich. Sogar für Uli Hoeneß.

Diese Andacht erschien zuerst in der Jugendleitermail vom Jugendleiternetz.

1 Comments

  1. thomas

    Hi,

    coole Andacht. Finde den Bogen super von Hoeneß zu David, ist definitiv eine Inspiration für meine heutige Jugendstunde. Ein Hinweis möchte ich gerne noch geben. Die Psalm Angabe ist nicht ganz korrekt, es ist Psalm 32 😀

    Danke für die Worte

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