Die Vaterlosen finden: Ein Aufruf dazu, die Lücke zu füllen

Die Vaterlosen finden: Ein Aufruf dazu, die Lücke zu füllen

43% der Kinder in den USA wachsen ohne Vater auf – geh und fülle die Lücke.

Es war in der zehnten Klasse. Ich saß frustriert im Büro unseres Schulseelsorgers, Chad. Heute weiß ich nicht mehr genau, worüber ich damals so frustriert war. Nur, dass ich Dampf ablassen musste und wusste, das Chad zuhören würde.

Wir wurden einander erst kurze Zeit vorher vorgestellt, aber ihm war es wichtig sich mit mir zu treffen. Zunächst hatte ich kein Interesse an den Treffen. Mir schien, dass wir überhaupt nichts gemeinsam haben. Chad ist weiß. Ich nicht. Er ist klein. Ich nicht. Er hört sich amerikanische Volksmusik an. Ich habe sie nicht gehört, höre sie immer noch nicht und werde sie sehr wahrscheinlich auch nie hören. Wie auch immer… weil er so viel Interesse daran gezeigt hat, habe ich mich dazu entschieden seine Einladung zu akzeptieren und so haben wir uns etwa zwei mal die Woche auf dem Schulgelände getroffen um übers Leben und Jesus und meine Probleme mit Autorität, Mädchen und Leuten grundsätzlich zu besprechen.

Das waren meine Probleme damals. Ich nehme an, dass es wohl um eines dieser Probleme gegangen ist, als ich schimpfend in seinem Büro war. Ich redete und redete während Chad geduldig zuhörte. Und als ich fertig war, schaute er mich bewusst an und sagte etwas, das mich total umhaute: „Philip, du hast Vaterprobleme.“

Wer ist ein Waisenkind?

Die Bibel hat viel über Waisenkinder und unsere Verantwortung ihnen gegenüber zu sagen. Wir sind dazu angeleitet, dass unser Wegschauen etwas über die Reinheit unseres Glaubens aussagt (Jakobus 1,27). Wir werden gewarnt, dass eine schlechte Behandlung von Waisen mit dem Zorn Gottes bestraft wird (2. Mose 22,22-24). Wir sind auch dazu angehalten dafür zu sorgen, dass Waisen gerecht behandelt werden (Psalm 10,8; 82,3). Und weil die Bibel unsere Anleitung für ein treues Leben in dieser gefallenen Welt ist, können wir es uns nicht leisten Waisen zu ignorieren, wenn wir Christus nachfolgen wollen.

Zu Zeiten des Alten Testaments wurde das Wort „Waise“ am häufigsten für Kinder gebraucht, die Vaterlos waren und nicht bloß für die, die beide Elternteile verloren hatten. Im Gegensatz dazu: Wenn in unserer heutigen Zeit über Waisen geredet wird, denkt fast keiner an den Jungen oder das Mädchen, das von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogen wird. Das ist das Resultat von zwei Grundannahmen in unserer Kultur. Erstens sind Frauen in der Lage zu arbeiten und für ihre Familien zu sorgen. Deshalb gehen wir davon aus, dass ein Kind keinen Vater braucht, sobald es finanziell abgesichert ist. Zweitens wurden die Unterscheidungen zwischen den Geschlechterrollen ausgebleicht und damit auch die Idee, dass ein Mann und eine Frau einzigartige Beiträge für ein Zuhause einbringen werden.

Aber im Gegensatz zu landläufigen Meinung, spielen Väter eine entscheidende Rolle in der mentalen, emotionalen und geistlichen Entwicklung eines Kindes.

Die hohen Kosten dieser Fehleinschätzung

Voddie Baucham hat einige alarmierende Statistiken zu Vaterlosigkeit gesammelt. Nahezu 75% der vaterlosen amerikanischen Kinder werden vor dem elften Lebensjahr Armut erleben, verglichen mit 20% für die Kinder, die von zwei Elternteilen erzogen werden. Es ist tatsächlich so, dass Vaterlosigkeit der Hauptgrund für Armut in Amerika ist. Auch wenn es gelegentlich vorkommt sind es doch sehr wenige Kinder, die in Armut leben, trotz einem Vater im Haus.

Kinder die in Haushalten leben, in denen die Väter abwesend sind, werden wahrscheinlicher aus der Schule fliegen. Sie neigen auch viel eher dazu die Schule abzubrechen, emotionale Probleme zu bekommen, Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln, Suizid zu begehen und / oder Opfer von Kindesmissbrauch oder vernachlässigt zu werden. Vaterlose Jungs werden mit viel größerer Wahrscheinlichkeit gewalttätige Kriminelle (Vaterlose Männer repräsentieren etwa 70% der Gefängnisinsassen, die Langzeit-Haftstrafen absitzen) (Baucham, What He Must Be, 22).

Die Annahme, ein Vater sei nur von kleinem Nutzen in dem Zuhause und dem Leben eines Kindes ist sehr kostspielig. Diese Denkweise ist besonders bedauernswert, weil die Kirche sie übernommen hat. Zumindest in der Praxis. Sogar in reformierten Kreisen. Wir zeigen das, wenn wir uns nur wenig um die kümmern, die keinen Vater haben. Wenn wir dem zustimmen, dass die Vaterlosen als Waisen zu betrachten sind, auch die Kinder bei denen der Vater nur abwesend ist, hat die Gemeinde dann nicht eine Verantwortung dafür?

Um die Vaterlosen zu finden braucht es keinen Geheimdienst. Wir sind überall. Wir sind in deiner direkten Nachbarschaft. Wir sind in deiner Schule. Wir sind in deiner Ortsgemeinde. Laut einer Zählung der US Behörden leben 43% der Kinder in den Vereinigten Staaten ohne Vater (und diese Statistik erfasst nicht die Vätrr, die zwar körperlich anwesend sind und trotzdem, aus welchem Grund auch immer, nicht da sind).

Wenn die Gemeinde junge Männer und Frauen als zukünftige Leiter für die Gemeinde fördern und effektiv das Evangelium zu den Menschen Ihrer Stadt bringen will, muss das Problem der Vaterlosigkeit angegangen werden. Das ist keine Option. Aber wie kann das Aussehen?

Was wir von Paulus lernen können

Paulus ist ein hervorragendes Beispiel was es bedeutet, ein Geistlicher Vater zu sein. Er ermahnt die Gemeinde von Korinth „Nachahmer“ seines väterlichen Beispiels zu sein (1. Korinther 4,15-17). In diesem Abschnitt betont Paulus, dsss die Korinther viele „Lehrer“ haben, aber wenige Väter. Der Unterschied zwischen Lehrern und Väter ist die Nähe. Paulus meint wahrscheinlich, dass viele Worte nicht ausreichend sind – nur unseren Mind zu öffnen reicht nicht aus, wenn wir nicht auch bereit sind unsere Herzen zu öffnen. Paulus sendet Timotheus, sein geliebtes und zuverlässiges Kind im Herrn, die Gemeinde an seine „Wege in Christus“ zu erinnern, „wie er es in jeder Gemeinde gelehrt hat.“

Paulus hat Vaterschaft in Timotheus Leben vorbildlich vorgelebt. Er verweist liebevoll sowohl hier als auch in anderen Briefen auf Timotheus als sein „wahres Kind“ im Glauben (1. Timotheus 1,1; 2. Timotheus 1,1). Wir wissen das Timotheus von seiner Mutter und Großmutter erzogen wurde. Sein Vater wird nirgends erwähnt, deswegen können wir annehmen er war entweder abwesend oder kein Christ. Das Paulus Timotheus nach Korinth sendet ist  ein gutes Beispiel für Vaterschaft durch das Evangelium – gleichzeitig ist es die Frucht des Evangeliums. Wir können immer noch von diesem Beispiel lernen.

Es benötigt Männer und Familien die Beziehungen mit Kindern und jungen Erwachsenen aufbauen und bewusst nach geistlichen Söhnen und Töchtern  suchen, um sie zu „adoptieren“. Zu unserer Überraschung, denke ich, werden wir schnell Kinder und junge Erwachsene finden, die offen sind für ältere gottesfürchtige Männer die als geistliche Väter in ihr Leben hineinsprechen. Diese Beziehung müssen aufgebaut und entwickelt werden, gemeinsam mit der Unterstützung der Ortsgemeinden im Kontext von Jüngerschaft.

Es gibt viele Kinder und junge Erwachsene die die gleichen Worte von Chad hören müssen wie ich an dem Tag in seinem Büro. Und es gibt viele Männer in unseren Gemeinden die Gott dazu beruft sie auszusprechen – und so die Lücke zu füllen.

Dieser Artikel ist eine Übersetzung von Philip Holmes „Finding the Fatherless: A Call to Fill the Gap“ und erschien zuerst auf http://desiringgod.org

About Daniel Monshausen

Jahrgang 1984, verheiratet und 3 Kinder. Seit mehr als 8 Jahren ist Daniel als Jugendleiter in der Freien evang. Brüderversammlung in Metzingen aktiv. Er hat eine einjährige Grundlagenausbildung am EBTC Zürich absolviert. Seit 4 Jahren ist er Verantwortlicher im Holynetwork mit dem Schwerpunkt holynetwork.de.

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