Gedicht: "Er läuft entlang…"

Gedicht: "Er läuft entlang…"

Er läuft entlang, er sucht und sinnt,

doch eine Brücke er nirgends find’t.

Da fällt ihm das Kreuz auf dem Rücken ein,

vielleicht könnte ihm das jetzt Brücke sein,

 

Er nimmt’s und schiebts über den Graben her;

doch ist’s zu kurz, es reicht nicht mehr.

Es fehlt das Stück, das er abgesägt.

„Ach, hätt‘ ich doch nicht!“ seufzt er tiefbewegt.

„Nun steh‘ ich hier, so nahe am Ziel

und kann nicht hin, weil mir das Kreuz nicht gefiel.“

Er weint, er schreit, er klagt sich an,

weil er schuld, dass zur Stadt er nicht kam.

 

Da kommt noch ein Pilger, der auch ein Kreuz trägt,

von dem er aber nichts abgesägt.

Der kommt zum Graben, schiebt s’Kreuz drüber hin

und geht zur Stadt mit frohem Sinn.

 

Da denkt unser Pilger: „Ich will doch sehn,

ob über dies Kreuz ich hinweg kann gehn.“

Er tritt hinzu, o weh, es kracht.

Mit einem Schrei ist er aufgewacht.

 

Er sieht sich im Zimmer. Er ist noch hier.

„Mein Gott, von Herzen dank ich dir.

Es war nur ein Traum. Doch die Angst und Qual

möcht ich durchkosten nicht noch einmal.

 

Ich seh nun mein Kreuz an als göttliche Gab

und säg von demselben jetzt nichts mehr ab.

So muss es sein, wie der Vater es macht,

und geht auch der Weg durch Trübsal und Nacht.

 

Ich harre still aus, trag Kreuz und Leid.

Es ist ja nur Brücke zur Herrlichkeit.“

 

Und du, der du auch ein Kreuz noch trägst

und es kürzen willst, indem du dran sägst.

Tu’s nicht, denn es ist eine göttliche Gab!

Du sägst nur den göttlichen Segen dir ab.

 

– A. Jung

About Andreas Fronius

Andy ist der Jugend-Pastor in der Crossroads International Church of Basel und arbeitet für Young Life Schweiz. Seine Leidenschaft gilt dem predigen und ausrüsten junger Leute für eine effektive Jugendarbeit. Du kannst dir seine Jugendarbeit hier ansehen: redbasel.ch.

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