Gründe, warum wir Freunde nicht zum Gottesdienst einladen

Gründe, warum wir Freunde nicht zum Gottesdienst einladen

Fällt es Dir schwer, Freunde zum Gottesdienst in deine Gemeinde oder Kirche einzuladen? Du bist nicht alleine – und die Gründe sind oft die selben. Hier findest du einige vermeintliche Gründe, warum du niemanden mit zum Gottesdienst nimmst.

„Frohes neues Jahr! Lade auf jeden Fall nächste Woche einen Freund zur Kirche ein.“

Das scheinen bekannte Worte aus der Kirche zu sein, die um den Jahreswechsel herum zu hören sind. Oder immer dann wenn neue Dinge anbrechen: Ferienanfang, Semesterbeginn oder Jahreszeitenwechsel.

Ich werde niemals diese Ansage vergessen, die vor ein paar Jahren am Ende des Gottesdienstes von der Kanzel aus gemacht wurde und ich – ein Mitzwanziger – verspürte eine Stich in mir: Ich zuckte zusammen, ich wollte es nicht, aber diese Worte trafen mich hart. Mir kamen die Gesichter meiner beiden Mitbewohner in den Kopf, die nicht zur Kirche gehen und die ihren Glauben nie in Jesus fest gemacht hatten. Eine Welle des schlechten Gewissens schwappte über mich hinweg.

Ich realisierte, dass ich sie tatsächlich nicht zur Kirche einladen wollen würde.

Und ja, da fing es an, in mir zu arbeiten.

Aber warum? Warum das Zusammenzucken und das Schuldgefühl? Warum fühlen sich viele Christen so? Warum ging es den ersten Christen anders? Sie wollten ihre Gechwister, Kollegen und Freunde einladen zu kommen und zu sehen, was Jesus und die erste Gemeinde taten. Warum fühlen sich viele von uns komisch dabei, jemanden dazu einzuladen, „zu kommen und zu sehen“?

Einige mögliche Ideen und Antworten kamen mir in den Sinn, als ich tief in meinen Erinnerungen und Gesprächen kramte, die ich in der Kirche hatte.

 

„Welten würden aufeinandertreffen.“

Darum geht es in einer Beziehung zu Gott: mehr werden wie Jesus – in allen Dingen und an allen Orten, mit allen Menschen in meinem Leben.

Abschottung ist so viel einfacher. Freunde von der Arbeit einzuladen, ein Team oder deine Nachbarn, könnte tatsächlich dazu führen, alles zu verändern und dem Glauben zu erlauben, in meinem Privatleben Platz zu nehmen! Die Leute, die dich Dienstag im Büro sahen oder das, was du am Freitagabend getan hast, mögen sich fragen, warum du am Sonntagmorgen total anders redest und handelst. Im Umkehrschluss richten dich deine Freunde dafür, dass du mit diesen Leuten rumhängst. Es ist einfacher, sauberer und viel akzeptierter, wenn du deinen religiösen Kram für dich behälst und es nicht sich nicht mischt mit dem Rest deines Lebens oder dem deiner Freunde und Kollegen.

Das Problem mit dieser Hypothese ist eigentlich, dass genau das eine Beziehung zu Gott ausmacht: mehr wie Jesus werden – in all den Dingen und an all den Orten, mit all den Menschen, die dir begegnen. Will Jesus nicht gerade diese kleine Box, in die wir unsere Religion einsperren, so öffnen, dass sie in alle Aspekte unseres Lebens fließt?

 

„Ich habe nicht alle Antworten.“

Du lädst jemanden zur Kirche ein und sie fragen dich danach, warum du all das glaubst und dann hast du keine Antwort darauf? Du könntest dabei ganz schön alt aussehen oder noch schlimmer – deine Kirche lächerlich machen.

Doch dann wiederum könnte die Begrenztheit deines eigenen Wissens eine offene Tür bieten, ein einladendes Element sein. Sie werden merken, dass auch du zu kämpfen hast mit Fragen zur Bibel, z.B. warum schlimme Dinge passieren, und ob es einen freien Willen gibt. Es wird sie erstaunen, dass all dein Unwissen dich nicht davon abhält, Jesus trotzdem nachzufolgen.

 

„Es könnte unsere Beziehung gefährden.“

Wenn du eine Freundin zur Kirche einlädst hast du Angst, dass du ihnen damit vermittelst, sie hätte es nötig, weil sie eine Versagerin ist oder dass du ihre Art zu Glauben nicht respektierst. Vielleicht hat deine Freundin sogar schon mal erwähnt, dass sie Christ ist, aber nicht zur Kirche geht. Wenn du sie einlädst und sie ablehnt, könnte das eure Beziehung verkomplizieren.

Das ist eine berechtigte Sorge, denn es darf nicht so sein, dass die Kirche zum Mittelpunkt deiner Beziehung wird. Mach klar, dass deine Einladung eben nur das ist: eine Einladung. Und wer weiß? Vielleicht ist das einzige, was deine Freundin davon abhält zu kommen, dass sie nicht allein gehen will. Was ist, wenn deine Beziehung sogar die Chance hätte, intensiver zu werden? Anders als wenn es immer nur um Filme und die Arbeit geht.

 

„Es ist ihnen zu fremd.“

Du weißt, dass die Liturgie und Lobpreislieder, die du über das Blut Jesu und die Christenheit singst, für deine Freunde, die nicht zur Kirche gehen, wie eine Fremdsprache sind. Sie verstehen nicht, was Advent oder die Fastenzeit ist. Der Pastor in seinem Talar erinnert sie an „Der Exorzist“ und die Prediger erinnern sie daran, dass jeder weiß, dass sie nicht dazugehören.

Das ist ein gerechtfertigte Sorge. Und es ist seit langem unsere Schuld, dass wir so viele fremde Elemente in unsere Gemeinden integriert haben. Wir müssen unseren Kirchen klar machen, dass es wichtig ist, dass sie auch erläutern, was sie wie und warum machen und sagen. Wir müssen die Leiter daran erinnern, wie die Dinge auf neue Leute wirken und wie es sich für sie und die, die nichts mit dem Glauben am Hut haben, anfühlt. Und was getan werden muss, um ihrem Unwohlsein entgegenzuwirken. Man muss sie wissen lassen, was sie zu erwarten haben. Es mag eine drastische Umstellung sein oder vielleicht muss man sogar einen neuen oder anderen Treff gründen, wohin du gerne Leute einlädst, damit sie ein Teil davon werden.

 

„Es ist ihnen nicht wichtig.“

Du weißt, dass für deine Freunde am Sonntagmorgen ausschlafen oder fernsehen nach einem langen Tag auf der Arbeit reizvoller ist, als für Lobpreis aufzustehen oder zu einem Bibelleseabend zu gehen. Wenn du erwähnst, dass du in der Kirche mitarbeitest oder teilnimmst, zeigen sie kein Interesse.und sehen keine Notwendigkeit. Du weißt selbst, dass du oft aus der Kirche kamst und gar nicht mehr wusstest, was gerade gepredigt wurde. Wo der einfache Einsatz der Kirche endet, beginnen erst deine Geschichten. Und darum ist es so wichtig, dass die Kirche an sich nicht der Schwerpunkt in eurer Freundschaft ist. Erzähl deine Geschichte. Warum bedeutet dir Jesus etwas – für dich und dein Leben! Egal wie wichtig es ist, deine Freunde zur Kirche zu bringen. Es ist wichtiger, dass du die Kirche zu ihnen bringst!

Was wäre, wenn wir unsere Zeit nicht mehr dafür investieren würden, Freunde am Sonntag um 11 Uhr zum Gottesdienst zu bringen, sondern planen, loszugehen und die Kirche für die Menschen zu sein – dort wo sie sind?

Du wirst das Verhalten eines Menschen nicht über Nacht ändern können – das ist Gottes Job – aber du kannst sie auf die Relevanz deiner Beziehung zu Gott hinweisen. Manchmal finden Menschen etwas anderes relevanter als Jesus – Gemeinschaft, Mut, Hoffnung, anderen dienen – nd das ist ihnen dann ein Türöffner, der den Weg zu Jesus zeigt.

 

„Sie würden nicht dazugehören.“

Wegen ihrer Vergangenheit, ihrem Aussehen oder ihrer Herkunft, würden die Menschen sie anstarren. Es besteht die Chance, wenn du in der Kirche dienst, dass du beschäftigt bist und deinen eingeladenen Freund dort allein sitzen lassen musst. Ganz allein. Und du weißt auch, dass niemand sich mit ihm unterhalten wird oder nur Leute, die es gut mit ihm meinen und sie ausquetschen wollen, weil sie so selten einen jungen Menschen zu Gesicht bekommen.

Wir müssen unseren Gemeinden helfen, gastfreundlicher zu werden, besonders gegenüber jungen Erwachsenen. Wirb ein paar Freunde in der Kirche an, die gewollt Neue im Blick haben, aber es nicht mit ihren Begrüßungen übertreiben. Manche Kirchen müssen daran erinnert werden, warum sie existieren – und der Grund ist nicht, dass sich alle, die schon in der Gemeinde sind, gegenseitig Gutes tun sollen!

 

„Sie arbeiten.“

Es wird geschätzt, dass 30% der amerikanischen Bevölkerung am Sonntag arbeiten, was aber auch der Tag ist, an dem 90% der Gottesdienste laufen. In Gegenden, wo es viele Unis und Jobs im Service gibt, ist die Prozentzahl unter den jungen Erwachsenen sogar noch höher. Außerdem arbeiten viele an Samstagen bis spät in die Nacht und für diese Menschen macht es einfach keinen Sinn, mit Leuten, die sie nicht kennen, einen Gott, dessen Existenz sie sich nicht sicher sind, anzubeten.

Wir müssen unsere Freunde dort erreichen, wo sie sind – ein Treffen zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort, der mit ihrer Arbeit zu vereinbaren ist. Was wäre, wenn wir, anstatt die Leute sonntags um 11 Uhr in die Kirche einzuladen, zu ihnen gehen, für sie die Kirche sind, egal wer und wo sie sind – ob beim Sport, im Café, auf dem Spielplatz, im Zug, der Bar, auf dem Unicampus usw.

 

Zugegebenermaßen treffen uns viele dieser ehrlichen Antworten in Herz, während andere mit der Kultur unserer Kirche kollidieren. Wenn uns schon der Gedanke daran erschaudern lässt, einen Freund mitzunehmen, ist es die beste Idee, aufzuhören, sich abzuwenden und anfangen, sich anzupassen. – unser Verhalten, unsere Motivation, unser Auftreten und unsere Kommunikation.

Abschließend sollte man sagen: Wenn Jesus fand, dass es eine gute Idee ist, Menschen zur Nachfolge einzuladen, dann ist es das vielleicht heute noch.

 

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf englisch unter http://www.relevantmagazine.com/god/church/real-reasons-we-dont-invite-friends-church

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