Idee: Brief vom Jugendleiter

Idee: Brief vom Jugendleiter

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Emmerich, Jugendleiter der FeG Jugend Mühlacker 316Grad.

Wann hast Du das letzte mal einen handgeschriebenen Brief von jemandem erhalten. So richtig mit Briefmarke und Briefumschlag, zur Post bringen und so…?

Als ich Gott gefragt habe, was zum Henker er meint mit „Beziehungsorientierter Jugendarbeit“ kam ich die Antwort „Schreib halt mal einen Brief an Deine Jugendlichen!“.

„Einen Brief?“

Was soll ich denn da rein schreiben, in so einen Brief? Fange ich beim Wetter an? Eine kritische Analyse der letzten Jugendstunde oder der Liedauswahl? Was soll ich denn in so einen Brief rein schreiben und warum soll das gut sein. Ich kann Emails schreiben, SMS verschicken, kann auf der Homepage Infos anonymisiert und einfacher verbreiten oder Twittern. Aber einen Brief?

Außerdem die logistische Herausforderung: Briefmarken und Briefumschläge besorgen und irgendeine Idee bekommen, was man in so einen Brief rein schreiben soll, wenn man kreativ eh am Limit fährt ist nicht zu unterschätzen.

Also, habe ich mich darauf eingelassen. Ich habe mir überlegt, wie gehe ich dieses „Brief Projekt“ an und, mit wem fange ich an, über was schreibe ich?

1. An wen schreibe ich?
Ich habe mir die komplette Jugend vorgenommen, also auch die Unregelmäßigen und Wenigkommer meiner lieben Schar. Gestartet habe ich mit denen, die immer da sind und treu zur Jugend stehen, weil ich dies für einfacher hielt und habe mich zu den schwierigen fällen durchgearbeitet. Durch diese doch sehr strukturierte Art mein Briefprojekt zum Erfolg zu führen konnte ich mehr und flüssiger schreiben. Ich dachte mir, dass die Vergebungsbereitschaft, wenn ich daneben liege, bei den treuen Kommern der Jugend eher gegeben ist und habe mit den ersten 6 Leuten die Phase 1 gestartet.
Phase 2 war den unregelmäßigen und die für mich eher distanzierten Teilnehmern unserer Jugend gewidmet und eine weitere Welle an Briefen ging heraus.
Phase 3 waren meine Mitstreiter und Leiter in der Jugend denen ich auch einen Brief von mir nicht vorenthalten wollte.

2. Wie schreibe ich?
Als der Flow nach einigen versuchen da war, habe ich gemerkt, das wirklich der heilige Geist mich geleitet hat Dinge zu schreiben, von denen ich keine Ahnung hatte, dass ich das so formulieren werde. Jenseits meiner eigenen Analyse, was der Empfänger braucht oder von welchem Kalenderblatt ich nun einen brauchbaren Bibelvers bekomme bin ich in Richtungen gegangen, die mir völlig unbekannt waren. Nun ist meine charismatische Ausrichtung eher moderat, vor allem in einer stinknormalen Freikirche, aber ich habe gemerkt, wie Gott meine Sicht für die Leute und was sie betrifft in so einem Brief komplett umgedreht hat. Ich habe festgestellt, wenn man so ideenlos ist wie ich und im Wettstreit mit Weisbrot und einer Parkuhr in Sachen Formulierung und Einfühlungsvermögen gerade den 2. Platz erreicht, kann Gott wirklich wirken und man wird beschenkt. Ich habe mir echt keinen Kopf mehr gemacht, was ich schreibe, habe anstelle dessen Gott gefragt und bin meiner wenig vorhandenen Intuition gefolgt.
Dies war echt eine coole Lektion. >Zu sehen, dass Gott reden will, ich keinen peil habe und was Gutes daraus kommt.

3. Was schreibe ich?
„Mach mit Deiner Freundin Schluss?“, „Tu Buße?“, “ Rauchen ist Sünde?“…..
Wenn ich davon ausgehe, dass der Empfänger gleich viel Heiligen Geist hat als ich, weiß er, das diese Dinge eh nicht gut sind. Und da fiel mir ein Bibelvers ein, mit welchem Themen ich meine Briefe ausstatten werde: Philipper 4,8

Und noch etwas, Geschwister: Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zu Recht gelobt wird


Ok. Also nur die guten Sachen: Loben und Danken, den Leuten Mut zusprechen. Das sagen, was sie selten hören. Sich für die Mitarbeit bedanken. Für das Mitdenken und sich dabei Mühe geben, den Leuten zu sagen, wie Gott sie sieht und was ich denke, welche Gaben die Leute haben. Ermutigen und klar machen, dass Scheitern ein Teil des Erfolges ist auf dem Weg mit Jesus. In meinen Briefen an die Leute meiner Jugend ist es echt positiv intim geworden, was Mitarbeit angeht und Stärken der Leute die freigesetzt werden sollten. Jeden Brief habe ich abgeschlossen mit einer individuellen Bitte, ein Ding im Leben mit Jesus zu ändern, eine Sache anzugehen, und eine Entscheidung zu treffen. Das war mir wichtig.

4.Was ist passiert?
Tja. Was war eigentlich meine Erwartung? Eine Brieffreundschaft? Reger Austausch mit den Leuten? Eigentlich habe ich von rund 20 Briefen an meine Jugend nicht einen Brief zurück gekommen. Niemand der eine Dankes-SMS geschrieben hat. Keine Mail. War das ganze Briefprojekt ein Reinfall? Lag ich daneben?
Was will man auch erwarten, wenn ein 39 Jähriger Jugendleiter mit Legasthenie Briefe schreibt an eine 16 Jährige, ohne Parfüm aber mit Bibelversen und so….
Aber doch, da tut sich was auf. Plötzlich ändern sich Gespräche und die Kids in meiner Jugend erzählen mit mehr und tiefere Dinge ihres Glaubens, was vorher nicht da war. Jemand hat sich nach meinen Lobes Tiraden doch entschieden mit seiner Freundin Schluss zu machen. Ein Persönliches Gebet wurde gewünscht von jemandem, der echt betroffen war von meinem Brief. Eine engere Beziehung zu den Jüngeren, auch wenn ich schräge Briefe schreibe. Ein Kerl, der Probleme mit seinem Abi hat und nun überlegt, was er ändern muss, weil der Bibelvers reingehauen hat wie eine Bombe. Ich habe im Facebook Chat ein Gespräch gehabt über das Thema, wie Vergebung und Rechtfertigung wirklich in der Bibel funktioniert. Ein Paar, die sich neu aufmachen in ihrer Beziehung miteinander wirklich Jesus einzuladen.
Einen wirklichen Payback in Buchstaben hat es nie gegeben, aber tiefere Beziehungen mit den Leuten meiner Jugend und Veränderungen denen ich staunend gegenüberstehe, Entscheidungen die ein „Bußgespräch“ so niemals hervorgerufen hätte!
Gott hat gesegnet!

5. Warum ist es anders?
Briefe schreiben ist anders, weil einen Brief vom Jugendleiter echt niemand erwartet. Zitternde Teenie Mädels die einen Brief mit dem Absender vom Jugendleiter in Händen halten. „Bekomme ich ärger, hab ich alles richtig gemacht?“
Die Erwartung, dass jemand gelobt wird, jemandem Mut zugesprochen wird und gesagt wird, was jemand kann war bei niemandem da!
Mir hat das Briefe Projekt in 3 Phasen gezeigt, wie sehr Leute Lob, Anerkennung und gute Worte brauchen. Eine Mail hätte niemals denselben Effekt gehabt, da die elektronischen Nachrichten nicht anfaßbar sind. Weder der Schreiber noch der Empfänger lässt sich wirklich tief auf den Inhalt der Nachricht ein, wenn sie über das Internet oder Facebook kommt.
Leute lesen den Brief mehrere male, nehmen sich Zeit und lassen sich anders auf die Worte ein. Außerdem sind die Akkulaufzeiten von so einem Stück Papier echt ungeheuer lang und meistens habe ich meine Briefe in den Bibeln unserer Teilnehmer wiederentdeckt. Schöner Platz, oder?

6. Gott spricht!
Also, wenn Gott schon durch Esel sprechen kann und er versprochen hat, dass wenn wir den Mund nicht aufbekommen werden die Steine schreien werden, dann muss ich einsehen, dass selbst ich, als Nichtschreiberling und mit Rechtschreibschwäche von Gott eingesetzt werden kann. Ich möchte Dich ermutigen es mal auszuprobieren, was passiert, wenn Du deinen Leuten in deiner Jugend mal über ein Offlinemedium ganz nahe kommst!
Gottes Segen Dir!

 

Foto: nkzs via sxc.hu

 

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