Filme in der Jugendgruppe? Die Lizenz FAQ!

Filme in der Jugendgruppe? Die Lizenz FAQ!

In diesem Interview mit Christoph Stang von der CCLI Lizenzagentur geht es um diverse Fragen in Bezug auf Lizenzen und Urheberrecht bei Jugendgruppen von Gemeinden. Es gibt Antworten zum Zeigen von Filmen, YouTube-Clips, Fernsehaufnahmen und Filmausschnitten in Gottesdiensten.

Erstmal Danke für die Möglichkeit des Interviews mit Dir. Bestimmt bekommt Ihr bei der CCLI fast täglich diese Fragen zu hören, doch trotzdem wissen viele noch nicht, wann man eine Lizenz braucht und wann nicht. Ich hoffe Ihr könnt mir die wichtigsten Fragen dazu beantworten.

Vielen Dank für dein Interesse Lieder und Filme legal zu nutzen und deine Leser darüber zu informieren. Ja, wir merken, dass in den letzten Jahren die Urheberrechtsthematik in Gemeinden immer mehr in die Köpfe kommt. Deshalb bekommen wir auch vermehrt diese Fragen gestellt und haben ständig neue Besucher auf unserer Webseite (www.CCLI.de). Wir freuen uns, wenn wir mit verständlichen Antworten etwas Licht ins „Dunkel“ bringen können.

Fragen zu Filmen in der Jugendgruppe & der Gemeinde

Frage 1: Brauche ich eine Lizenz, um DVDs mit meiner Jugendgruppe anzuschauen?

CCLI: Ja. Die öffentliche Aufführung eines Films oder Filmausschnittes ist lizenzpflichtig. Geliehene oder gekaufte Videos oder DVDs sind nur für den persönlichen Gebrauch gedacht und dürfen nicht öffentlich gezeigt werden. Darauf weisen auch die Copyright-Hinweise im Vorspann des Films hin.

Auch wenn die Jugendgruppe vielleicht ziemlich klein ist oder die Treffen in einem Wohnzimmer stattfinden, fällt die Jugendgruppe einer Gemeinde immer noch unter den Bereich „öffentlich“, denn sie wird ja von der Gemeinde veranstaltet und steht Personen der Öffentlichkeit frei.

Frage 2: Wie ist es, wenn weniger als 10 Jugendliche eine DVD bei mir zuhause anschauen. Wird auch dann eine Lizenz benötigt?

CCLI: Wie gesagt wird für öffentliche Veranstaltungen immer eine Lizenz benötigt und der Begriff Öffentlichkeit definiert sich nicht durch die Größe oder den Ort der Veranstaltung. Es gibt zwar ein einmaliges Gerichtsurteil wo gesagt wurde, dass erst ab 8 Personen eine Veranstaltung öffentlich ist, aber das ist eben nicht Gesetz. Wenn man im privaten Kreis von Familie oder Freunden, zu denen man eine persönliche Beziehung hat, einen Film anschaut ist das privat, auch wenn da 20 Personen anwesend sind. Aber solange es sich um eine Veranstaltung handelt die öffentlich ausgetragen wird, wo also Personen der Öffentlichkeit freien Zugang haben und diese von einer Gemeinde veranstaltet, öffentlich beworben und verantwortet wird, wird diese Veranstaltung als öffentlich eingestuft und bedarf damit einer Lizenz. Es handelt sich bei deinem Beispiel also um eine öffentliche Filmaufführung.

Frage 3: Darf ich einen Filmausschnitt von 5 Minuten Länge in einem Gottesdienst zeigen?

CCLI: Mit einer CVL-Filmlizenz oder der expliziten Erlaubnis des jeweiligen Filmstudios: Ja. Einfach so aber nicht. Es macht hierbei keinen Unterschied, ob ein ganzer Film gezeigt wird oder nur ein Filmausschnitt.

Frage 4: Welche Lizenzen werden da (bei Fragen 1,2,3) benötigt? (Name, grober Kostenbereich, was ist durch diese Lizenz sonst noch alles abgedeckt?)

CCLI: Die CVL-Filmlizenz deckt die gesamte Gemeindearbeit ab. Es sind tausende Filme von über 400 verschiedenen Filmstudios enthalten.

Für eine Gemeinde mit durchschnittlich 99 Gottesdienstbesuchern kostet diese Lizenz beispielsweise 168,- Euro für ein ganzes Jahr. Damit sind alle Gemeindeaktivitäten, wie Jugendgruppen, Hauskreise, Sonntagsschulen und Gottesdienste für das öffentliche Aufführen von Filmen abgedeckt. Dabei dürfen Filme der angeschlossenen Filmstudios beliebig oft gezeigt werden und müssen auch nicht an die CCLI gemeldet werden. Das Ganze ist also sehr einfach in der Anwendung.

Mehr Infos gibt’s unter www.CCLI.de/CVL!

Frage 5: Ist das Zeigen von Filmen während einem Gottesdienst nicht vom Gemeindebund abgedeckt?

CCLI: Nein, bisher haben die Gemeindeverbände keine Pauschalverträge über die CVL-Filmlizenz für alle Ihre Gemeinden abgeschlossen. Viele Gemeindebünde empfehlen Ihren Gemeinden Filme nur legal zu nutzen und eine Filmlizenz bei der CCLI zu bestellen, aber jede Gemeinde muss dies individuell tun.

Frage 6: Ich habe gehört, dass man bei manchen Filmen noch GEMA-Gebühren zahlen muss. Ist das trotz Filmlizenz von der CCLI für einen Gottesdienst noch nötig?

CCLI: Die CVL-Filmlizenz bezieht sich auf das was man sieht. Wenn die Filmmusik eines Filmes bei der GEMA gelistet ist, dann muss man zusätzlich GEMA-Gebühren bezahlen. Gehören die Musiktitel nicht zum GEMA-Repertoire, fallen auch keine GEMA-Gebühren an. Hier gibt es zum Teil jedoch Rahmenverträge der Kirchen mit der GEMA welche die Filmmusik mit einschließen, deshalb ist es empfehlenswert den jeweiligen Gemeindebund vorab zu fragen.

Frage 7: Wie ist es mit Fernsehaufnahmen? Darf ich die in meiner Jugendgruppe zeigen?

CCLI: Aufnahmen aus dem Fernsehen dürfen nicht öffentlich gezeigt werden. Auch die CVL-Filmlizenz gibt keine Erlaubnis für die Nutzung von Fernseh-Aufzeichnungen. Dies gilt für alle Gemeindeaktivitäten und damit auch für Jugendgruppen. Wer Fernseh-Aufnahmen öffentlich zeigen möchte, muss sich an den entsprechenden Fernsehsender wenden und sich dort eine Erlaubnis einholen.

Frage 8: Gibt es Filme oder Clips, die ich auch ohne Lizenz zeigen darf?

CCLI: Wenn ich Filme oder Clips öffentlich zeige brauche ich immer die Erlaubnis des Urhebers, also des Filmstudios oder einer Einzelperson. Falls jemand aus meiner Gemeinde einen eigenen Film von dem letzten Gemeindefest erstellt hat, darf das natürlich mit seiner Erlaubnis gezeigt werden. Es gibt auch Filme die bereits mit der Erlaubnis kommen in der Kirche oder Gemeinde gezeigt zu werden. Die Auswahl ist nicht groß, aber manche kirchliche Medienstellen beispielsweise bieten solche Filme an.

Frage 9: Wie ist es mit YouTube-Videos im (Jugend-)Gottesdienst?

CCLI: Die CVL-Filmlizenz gibt dafür keine Erlaubnis. Nach Aussage von YouTube dürfen Videos öffentlich gezeigt werden, solange dies per Streaming ausschließlich durch den YouTube-Player geschieht. Man darf also diese Videos nicht irgendwie aufzeichnen, und sie dann im öffentlichen Rahmen wiedergeben.

Jedoch ist bei YouTube immer etwas Vorsicht geboten, weil viele Leute Dinge einfach hochladen, welche bereits urheberrechtlich geschützt sind und man diese somit gar nicht hätte hochladen dürfen. Als sogenannter Plattform-Provider übernimmt YouTube dafür keine Haftung, sondern macht die User dafür verantwortlich, die das Material einstellen und erwartet von diesen nur Sachen hochzuladen, von denen auch das entsprechende Einverständnis des Urhebers gegeben ist. Dass dies in vielen Fällen nicht beachtet wird ist bekannt. Und so kann es durchaus passieren, dass man illegale Kopien in der Gemeinde zeigt. Es stellt sich dann die Frage, ob die Gemeinde dafür haftbar gemacht werden kann. Aus unserer Sicht ist das eher unwahrscheinlich, aber definitiv auszuschließen ist es nicht.

Wer also YouTube-Clips in der Gemeinde zeigen möchte, sollte das nur mit Material tun wo sichergestellt ist, dass weder der Film noch die Musik urheberrechtlich geschützt sind, bzw. nur mit Erlaubnis des entsprechenden Urhebers auf YouTube veröffentlicht wurde.

Hinweis: Die CVL-Filmlizenz der CCLI ist aus rechtlichen Gründen nur in Deutschland erhältlich. Schweizer Gemeinden können sich an Suissimage (www.suissimage.ch) wenden.

Im Namen der Leser von holysheep.de bedanke ich mich recht herzlich das Interview mit Ihnen!

About Andreas Fronius

Andy ist der Jugend-Pastor in der Crossroads International Church of Basel und arbeitet für Young Life Schweiz. Seine Leidenschaft gilt dem predigen und ausrüsten junger Leute für eine effektive Jugendarbeit. Du kannst dir seine Jugendarbeit hier ansehen: redbasel.ch.

4 Comments

  1. Pingback: Filme in der Gruppenstunde & Co zeigen | Der Jugendleiter-Blog

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