Kurzzeiteinsätze – worauf kommt es an?

Kurzzeiteinsätze – worauf kommt es an?

Ein paar Punkte die sicherzustellen, dass dein Missionseinsatz effektiv ist.

Es wird geschätzt, dass jedes Jahr über 1,5 Mio. Menschen aus den USA an Kurzzeit-Missionseinsätzen teilnehmen. Das sind jede Menge Leute. Und diese 1,5 Mio. Menschen geben fast 2 Milliarden US-Dollar für diese Reisen aus.

Mein Mann und ich leben in Guatemala und beherbergen das ganze Jahr über Kurzzeit-Missionseinsatzteams. Ursprünglich komme ich aus Kalifornien und er ist in Guatemala geboren und aufgewachsen. Für mich waren Kurzzeiteinsätze wie eine Art Feldlager. Jeden Sommer hatte ich die Möglichkeit irgendwo an einen neuen Ort zu gehen und „diesen Leuten zu helfen“. Für meinen Ehemann war das beherbergen von Kurzzeitlern in Guatemala ein Teil von dem, womit er und seine Familie sich ihren Lebensunterhalt verdienten. Es kam auch Segen davon aber hauptsächlich war es jede Menge Arbeit.

Wir beide haben die guten, die schlechten und die hässlichen Seiten der Kurzzeiteinsätze gesehen. Aber wir spüren weiterhin eine Anspannung in der Arbeit mit den Kurzzeitler-Teams die wir beherbergen. Richten sie mehr Schaden als Gutes an? Halten sie den Kreislauf der Armut aufrecht? Tragen sie zum Überlegenheitsgefühl bei? Oder Unterlegenheit? Unsere Arbeit mit Familien und Gemeinden in Guatemala genauso wie mit Kirchen und Schulen aus den USA zwingt uns dazu, täglich diese Fragen zu stellen.

Wir haben gelernt, dass es vielleicht mehr darauf ankommt wie wir gehen als was wir machen. Hier sind ein paar Fakten, von denen du vielleicht noch nicht gehörst hast. Sie werden deinen Kurzzeit-Missionseinsatz effektiver machen:

1. Du bist kein Held.

Als erstes, bevor du ankommst und wenn du angekommen bist, muss dein Team sich verpflichten, seinen Heldenkomplex loszuwerden. Entwicklungsländer brauchen keine Kurzzeit-Helden. Sie brauchen Langzeitpartner. Und wenn deine Gruppe nur für eine Woche lang Held sein möchte, dann richtet sie vielleicht mehr Schaden an als sie Gutes tut.

Entwicklungsländer brauchen keine Kurzzeit-Helden. Sie brauchen Langzeitpartner.

2. Armut kann anders aussehen als du erwartest.

Wenn du am Ende deines Einsatzes sagst, „Ich bin so dankbar für das was ich habe weil sie so wenig haben.“ Dann hast du den Sinn des Ganzen verpasst.

Du bist auch arm. Aber vielleicht versteckst du das hinter all deinem Zeug. Es gibt materielle Armut, physische / körperliche Armut, geistige Armut und systembedingte Armut. Wir alle müssen unsere Bedürftigkeit und Zerrissenheit vor Gott eingestehen ehe wir erwarten können, anderen zu helfen.

3. Geschichtlicher Kontext kann genauso wichtig sein wie der unmittelbare Kontext.

Hast du die Geschichte der Länder oder Nachbarschaft in die du gehst studiert? Verstehst du die Rolle, die die USA dort gespielt haben? Weißt du welche Rolle die Kirche und Mission dort gespielt hat? Kennst du die aktuellen Bedürfnisse und Belange der Menschen? Hintergrundwissen zu haben hilft dir zu wissen, wie du dich am besten einfügen und im unmittelbaren Kontext helfen kannst.

4. Erledige keine Aufgabe, die die Menschen dort selber tun können.

Als ich mich das letzte Mal informiert habe waren Menschen in Entwicklungsländern durchaus in der Lage eine Wand zu streichen, warum machst du das also für sie? Wenn das streichen einer Wand oder Schule wirklich das ist, was die Menschen dort brauchen dann lade die Schüler dieser Schule oder die Bewohner des Dorfes ein, das mit dir zusammen zu machen.

Sachen mit den Menschen machen, nicht für die Menschen sollte das Motto lauten. Immer.

5. Gelernt wird im Zusammenhang von wechselwirkenden Beziehungen.

Sei bereit über deine Familie, deinen Schmerz und was du brauchst zu reden. Manchmal denken die Menschen in Entwicklungsländern dass jeder in den USA reich, weiß und glücklich ist. Wir wissen, dass das nicht wahr ist und wir haben die Chance uns ehrlich und verletzlich mitzuteilen. Setze eine höhere Priorität auf das Aufbauen von Beziehungen als auf das beenden von Projekten.
Du bist ein Botschafter für dein Land. Dank Globalisierung, YouTube und Facebook haben die meisten Entwicklungsländer bestimmte Ideen und Gedanken über die USA bevor du ankommst. Sei bereit Fragen zu beantworten und über dein Leben und die amerikanische Kultur zu reden.

Nach dem gleichen Vorbild solltest du beim Fotografieren vorgehen. Bevor du ein Foto machst frag dich selbst, „Würde es mich stören, wenn ein Fremder ein Foto meiner/meines Tochter/Sohn/Schwester/Bruder in dieser Situation macht?“ Wenn die Antwort ja ist, dann mach kein Foto. Komm mit den Geschichten und Namen der Menschen zurück und nicht nur einem Album „süßer“ namenloser Kinder.

Jesus hat sein zuhause verlassen, die Annehmlichkeiten seines Vaters um zu gehen, um bei den Menschen zu sein.

6. Es ist etwas Besonderes zu gehen.

Das alles ist nicht gedacht um dich für Missionsarbeit zu entmutigen. Im Gegenteil, die Tat zu gehen ist wichtig. Jesus hat sein zuhause verlassen, die Annehmlichkeiten seines Vaters um zu gehen, um bei den Menschen zu sein. Deine Bereitschaft dein zuhause zu verlassen, deine Annehmlichkeiten und zu GEHEN ist auch ein Beispiel dafür.

Also geh, sei bei den Menschen. Lebe mit ihnen. Lerne von ihnen. Esse, was sie essen. Beobachte, was sie tun. Verbringe deine Zeit nicht bei McDonalds.

7. Bringe nicht $ 1.000 für eine Woche auf und spende den Rest des Jahres nichts mehr.

Wir wissen alle, das Geld nicht alles ist. Aber wenn es weise eingesetzt wird kann es einen riesigen Unterschied im Leben von Menschen machen. Du hast wahrscheinlich Briefe geschrieben und Autos gewaschen um Geld zu verdienen damit du gehen kannst, oder? Was hält dich davon ab, das weiter zu tun? Wir arbeiten hart für eine einwöchige Reise und dann was? Was wenn deine Kirche oder Jugendgruppe oder Schule arbeiten würde um jedem Dollar den du für deine einwöchige Reise ausgegeben hast einen weiteren gegenzusetzen um ihn dort hin zu senden wo du im Laufe des Jahres gedient hast?

8. Du musst nicht mit einem Flugzeug fliegen um den Armen zu helfen.

Warum legen wir nicht mal einen Fokus darauf Gerechtigkeit für deine Nachbarschaft zu bekommen. Frag dich selbst, „Wenn Jesus hier wäre, mit wem würde er sprechen?“ Mit dem Kind mit Behinderung, das immer ganz hinten in der Jugendgruppe sitzt? Mit dem Spanisch-sprechenden Mann, der dein Büro sauber macht? Mit der Frau, die Dosen im Park sammelt? Bitte Gott darum, dir einen Blick dafür zu geben, was er tun würde. Es kann dein Leben verändern.

Bitte hört nicht auf, auf Kurzzeit-Missionseinsätze zu gehen aber erwäge deinem Team zu helfen zu verstehen, dass wie wir Kurzzeiteinsätze machen mehr ausmacht, als das war wir machen.

 

Anmerkung der Übersetzerin: Was auf die USA zutrifft, trifft bei Kurzzeiteinsätzen oft auch auf Europa bzw. die westlichen Länder allgemein zu. So ist in Entwicklungsländern oft ein bestimmtes Bild reichen Länder vertreten, daher kann man in diesem Artikel durchaus USA durch Deutschland oder Europa ersetzen. Auch wenn die Autorin aus den USA kommt ist der Inhalt auch für uns sehr interessant!

Quelle: http://www.relevantmagazine.com/

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