Martin von Tours: Leben & Geistesgaben

Martin von Tours: Leben & Geistesgaben

Einleitung
Wenn man Martins (von nun an M.) Leben mit wenigen Fakten beschreiben müsste, sollte man neben seinen Berufen, nämlich römischer Offizier und späterer Bischof von Tours an der Loire, noch erwähnen, dass er einer der ersten Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen war und mannhaft jeder Verketzerung von Andersdenkenden entgegengetreten ist. Er predigte und lebte vor allem das Christentum begleitet von zahlreichen Wundererscheinungen in beeindruckender Weise vor nunmehr 1610 Jahren.
Quellensicherung
Berühmt ist M. für die Teilung seines Mantels, die man früher sogar auf einer schweizerischen Banknote betrachten konnte. Er gehört zu den Vierzehn Nothelfern der volkstümlichen Heiligen. Er selbst hat nie geschrieben, so dass man sich auf das alleinige Schriftzeugnis von Sulpicius Severus verlassen muss. Dieser war ein Anwalt der sich in jungen Jahren sehr für theologische Fragen interessierte, jedoch wurde er von der Kirche abgelehnt nachdem er für Pelagianismus eingetreten war. Diese Ablehnung führte zu seinem berühmten neuen Charakteristikum: er schwor sich nie wieder in theologische Fragen einzumischen. So widmete er sein Leben maßgeblich Biographien. Sulpicius Severus zeichnet sich besonders dadurch aus, dass er Augenzeuge ist und Martin bei mehreren Treffen besser kennenlernen konnte. In seinem Schriftzeugnis versichert er ausdrücklich, „nur wahre Begebenheiten berichtet zu haben.“
Durch diese sehr vertrauenswürdige Quelle fiel der historisch-kritischen Forschung die Kritik an M.s Leben nicht gerade einfach. Durch die mit der Aufklärung verbundene rationale Denkmethode ist die „Theologie einem rückläufigen Prozess verfallen, indem sie ihr überrationales Denken preisgab und das naturwissenschaftliche Denken zu übernehmen versuchte, womit sie einen Schlüssel in die Hand bekam, der nun einmal zu keinem Schloss ihres Gebietes passt und infolgedessen keine einzige Türe zu öffnen vermag.“ Die Biographie M.s ist eine Legende die das Ziel hat die Botschaft des Menschen weiterzuvermitteln. Eine Legende will gedeutet und nicht Auseinandergenommen werden. Man denke einmal über die Wortbedeutung von „Legende“ nach: „das zu Lesende“.
Zeitgeschichtliche Hintergründe und die jungen Jahre
Das vierte Jahrhundert zeichnete sich durch Völkerwanderungen und damit verbundenen Zerstörungen aus. Das Römische Reich neigte sich dem endgültigen Ende und Kaiser Konstantin beförderte das Christentum mit dem „Mailänder Edikt“ in die „High Society“. Martin wurde zwischen dem Jahr 316 und 317 n. Chr. im heutigen Szombathley in Ungarn, als Sohn eines römischen Offiziers geboren. Dieser weihte ihn dem Kriegsgott Mars, was sich auch durch seinen Namen „Martinus“ erschließen lässt. Es wird berichtet, dass er bereits mit zwölf Jahren von zuhause in eine Kirche geflohen ist und dort darum bettelte unter die Katechumenen (= Schüler von biblischem Unterricht) aufgenommen zu werden. Sein Vater, der stark gegen das Christentum war, zwang ihn im Alter von 15 Jahren, gefesselt, sich dem römischen Militär zu verpflichten. Das Offizierskinder nach ihren Eltern auch in den Militärdienst eintraten hatte weitreichende Tradition. Aus M.s Dienstzeit wissen wir, dass er das Herr – Diener Verhältnis total auf den Kopf stellte. Er bediente seinen Knecht, putzte ihm die Schuhe und bereitete des Öfteren die Mahlzeiten für ihn.
Martins Tod und Folgen
M. starb auf einer Missionsreise am 8. November 397 und wurde, so die Überlieferung, von 2000 Mönchen zu Grabe getragen. Sein Grab, über dem im 5.Jh. eine Kapelle erbaut wurde – später erweitert zur Abtei Saint-Martin – war bis ins späte Mittelalter Wallfahrtsort und fränkisches Nationalheiligtum. Von Choldwig zum Schutzpatron der Frankenkönige erklärt, führten diese M.s geteilten Mantel auf Kriegszügen mit, um Niederlagen abzuwenden. Am 11. November ist findet jährlich ein Feiertag zum Gedenken an den Heiligen M. statt, der Martinstag. Er ist durch Bräuche wie das Martinsgans-Essen, den Martinszug und das Martinssingen geprägt. Seit dem 15. Jh. wird M. oft im Bischofsornat mit einer Gans im Arm oder zu Füßen dargestellt. Die Gans soll sein Versteck verraten haben, als er sich seiner Wahl zum Bischof entziehen wollte.
Geistesgaben
Es gibt sehr viele Geschichten über M. die von der Bibel, 1. Kor 12,10 aus gesehen als Macht-, bzw. Wunderwirkungen gedeutet werden müssen. Er machte um seine besondere Geistesgabe nie ein besonderes Aufsehen. Er diente seinem Herrn indem er das Evangelium in gottlose Gegenden in u.a. Frankreich brachte. In diesem „Dienst“, nämlich dem ständigen Predigen von Gottesfurcht stieß er nur allzu oft auf Menschen die ihm feindlich Gesinnt waren. Wenn ein solches Aufeinandertreffen dann zu einem Konflikt führte, bestätigte Gott seinen Prediger, der oft auch Apostel Galliens genannt wird, durch Wunderwirkungen des Geistes.
Da M. nie definiert was Geistesgaben für ihn sind, liegt nichts näher als das er den Bibeltext aus 1. Kor 12 so deutete, als sei er ganz Nah an Pfingsten dran gewesen. Geistesgaben sind Dienstgaben die ihm vom Heiligen Geist für seinen Dienst geschenkt wurden. Sein tägliches Bestreben war den Geber dieser Gaben zu verherrlichen in allem was er tat.
Fallbeispiel
„Als Martin in einem Dorf an einem alten Tempel Feuer gelegt hat (Tempelstürmer!), schickt er sich an, auch die danebenstehende heilige Föhre zu fällen. Doch der Oberpriester und die ganze Schar der Heiden wiedersetzen sich diesem Ansinnen. Martinus dagegen besteht darauf, der Baum müsse gefällt werden, weil er dem bösen Geist geweiht sein. Da spricht ein besonders Verwegener aus dem Kreise: „ Lass uns den Baum umhauen, und du musst ihn aufhalten.“ Martin sagt zu, und auch die Heiden sind von der Idee begeistert. Gern sehen sie ihre Föhre fallen, wenn von ihr der verhaßte Martin erschlagen wird. Martin lässt sich fesseln und von den Heiden in die Fallrichtung des Baumes stellen. Dann beginnen die Heiden in unbändiger Freude, den Baum zu fällen. Eine neugierige Schar schaut aus der Ferne zu. Die Föhre wankt und neigt sich zum Sturze. Martins Freunde erbleichen vor Schreck. Da hebt Martin seine Hand und setzt dem Baum das „Zeichen des Heils“ entgegen. Wie von einem Wirbelsturm erfasst, wird der fallende Baum zurückgeworfen und stürzt in die entgegengesetzte Richtung. Beinahe erschlägt er fallend die Heiden. Die Mönche weinen vor Freude, und alle preisen den Namen Christi. Die Heiden nahen sich Martin und ersuchen ihn um Handauflegung, d.h. um Aufnahme in die Reihe der Taufschüler. Bevor Martin in diese Gegend kam, wollte kaum jemand vom Evangelium etwas wissen. Durch die Wundermacht und das Beispiel seines heiligen Lebens erstarkt der Glaube aber so sehr, dass sich in kurzer Zeit kein Gau mehr findet, der nicht mit viel besuchten Kirchen oder überquellenden Klöstern ausgestattet ist. Es gehört zur Gewohnheit Martins, überall dort, wo er Heidentempel zerstört, sofort Kirchen oder Klöster zu bauen.“

Quellen:

Walter Nigg & Helmut Nils Loose, Martin von Tours.

Armin Sierszyn, 2000 Jahre Kirchengeschichte, Das Mittelalter.

About Andreas Fronius

Andy ist der Jugend-Pastor in der Crossroads International Church of Basel und arbeitet für Young Life Schweiz. Seine Leidenschaft gilt dem predigen und ausrüsten junger Leute für eine effektive Jugendarbeit. Du kannst dir seine Jugendarbeit hier ansehen: redbasel.ch.

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