Mentoring – Ein Stück Weg miteinander gehen

Mentoring – Ein Stück Weg miteinander gehen

Das biblische Prinzip des Mentoring

Eine richtig schlechte Reaktion: Vor ein paar Jahren nach dem Jugendkreis, kam ein Jugendlicher auf mich zu. „Christian, ich muss mal mit dir reden…“ Ich nahm mir kurz Zeit, schaute aber verstohlen auf die Uhr und wollte unbedingt nach Hause. Es war spät und eigentlich hätte ich Feierabend gehabt. Aber dieser Jugendliche wollte weiter über unser Thema, das wir im Jugendkreis behandelt hatten, weiterreden. Es hat ihn angesprochen und ihn bewegt – und ich hatte keine Zeit.

Im Nachhinein finde ich diese Situation von damals bezeichnend für das, was ich in den letzten Jahren oft erlebt habe. Da wurde Jesus leidenschaftlich gepredigt und darüber gesprochen, wie ein Leben als hingebungsvoller Nachfolger aussehen kann. Eine Entscheidung und dein Leben kann gelingen.

So einfach, aber doch so schwer. Denn was bleibt, wenn der erste geistliche Höhenflug vorbei ist? Wenn der Alltag uns im Griff hat und die Fragen nach gelingendem Christsein immer lauter werden? Gibt es das überhaupt; einen Jesus-mäßigen Lebensstil den man einüben kann?

Fragen über Fragen. Aber wer hört zu?

Menschen haben eine tiefe Sehnsucht nach geistlicher Begleitung – das habe ich sehr häufig erfahren. Mir selbst hat es sehr gut getan, immer wieder Menschen in meinem Leben gehabt zu haben, die für mich ansprechbar waren, gerade in geistlichen Dingen. Mit meinen Eltern darüber zu reden fand ich seltsam, aber mit Menschen, die sich und eine Tasse Kaffee angeboten haben, konnte ich gut darüber reden. Und Fragen als junger Christ hatte ich jede Menge – heute vielleicht sogar mehr als damals.

Diesem Bedürfnis nach geistlicher Begleitung sollten wir als Jugendleiterinnen und Jugendleiter in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken – um Teenager und Jugendliche zu begleiten und um Multiplikatoren, Vervielfältiger auszubilden. Das „Mentoring“ ist vielleicht ein Modewort geworden und man vermutet es eher in hektischen Chefetagen als in unseren Gemeinden, trotzdem hat es sich in den letzten Jahren gerade in Gemeinden immer mehr etabliert. Mentoring ist ein biblisches Prinzip – auch wenn die Menschen es damals noch nicht so ausgedrückt haben. Paulus zum Beispiel war ein guter Mentor. Als Gemeindegründer und Missionar hat er nicht nur nachhaltige Jesuserlebnisse gehabt, sondern auch viele Erfahrungen sammeln können. Diese gab er an seine jüngere Generation weiter. Für ihn waren persönliche Beziehungen wichtig, die mit Zeit und Tiefe immer tragfähiger und belastbarer wurden. Für viele in der frühen Kirche war er ein Vorbild und Mentoring war für ihn ein Leiterschaftsmodell, dass er an seine Begleiter wie Timotheus weitergegeben hat. Lebendiges Christsein, dass wachsen kann, braucht den Schatz der Erfahrung, die Erlebnisse wie Gebetserhörungen oder geistliche Durststrecken und authentische Vorbilder mit Macken und Kanten, die ansprechbar sind und Einblicke in ihr eigenes Leben bieten.

Mentoring heißt ein Stück Weg miteinander gehen und voneinander zu lernen. Dabei gibt es kein Richtig oder Falsch, keine platten Antworten, sondern eine Reise, die man zusammen antritt um gemeinsam Gott immer mehr zu entdecken.

About Christian

Jahrgang 1984. Christian Graß absolvierte am Marburger Bibelseminar seine Ausbildung zum Erzieher und Jugendreferenten. Des weiteren ist er ausgebildeter Erlebnispädagoge. Die letzten Jahre arbeitete er als Mentor, Coach und Jugendevangelist deutschlandweit mit der *dzm (die mobile mission). Seit Oktober 2015 leitet er die junge Erwachsenenarbeit im Christus-Treff-Marburg. Außerdem macht er guten Kaffee im Begegnungscafé CON:TEXT.

2 Comments

  1. easyfisch

    Hallo
    Kann es auch wärmstens empfehlen einen Mentor zu suchen.
    Es beschleunigt den eigenen Werdegang ungemein wenn jemand in dein Leben schauen und die richtigen Fragen stellen kann/darf.
    Gruss&Segen

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