Polykarp – ein Leben für Christus

Polykarp – ein Leben für Christus

Ein anschauliches Beispiel wie die Christen in den ersten Jahrhunderten verfolgt und getötet wurden möchte ich mit Polykarp anführen. Warum? Das ist ganz einfach: Wenn man heute nach Europa und Nordamerika schaut wird die Meinung über Christen stark negativiert. Deshalb sehen wir uns die Christen und ihr Leben der ersten Jahrhunderte an, um herauszufinden was der Unterschied ist.

Polykarp von Smyrna, Bischof in Kleinasien, war vermutlich ein Schüler vom Apostel Johannes – was eine relative Nähe zur Zeit des Neuen Testaments bedeutet. Um das Jahr 155 lässt er sein Leben für seinen Glauben an Jesus Christus durch eine öffentliche Hinrichtung:

Nachdem der junge Christ Germanicus in der Zirkusarena von Smyrna mit den wilden Tieren gekämpft hat, erklärt der Zirkusleiter die Spiele für geschlossen. Doch der aufgebrachte Pöbel schreit: Man suche den Bischof Polykarp, auch ihn wollen wir sehen! Freunde haben inzwischen den 90jährigen Bischof auf einem Landgut versteckt. Polykarp gibt sich ganz dem Gebet für die Gemeinde hin. Schon drei Tage vor seiner Gefangennahme hatte er eine Vision. Er sah, wie sein eigenes Kopfkissen in Flammen aufging. Zu seinen Freunden sagte er: „Ich muß lebendig verbrannt werden.“

Als ihn die Häscher entdecken, erschrickt Polykarp nicht. Im Gegenteil, sein Gesicht erstrahlt. Er bittet die Verfolger um eine Stunde Aufschub zum Gebet und offeriert seinen Feinden ein kleines Mahl. Die Stunde wird ihm gewährt. Dann schleppen ihn die Verfolger vor den Statthalter. Das schaulustige Volk wartet bereits auf vollbesetzten Plätzen.

Der Prozeß beginnt. Der Statthalter fordert den Bischof auf: „Schwöre, und ich werde dich freilassen! Lästere deinen Christus!“ Polykarp antwortet: „Schon 86 Jahre diene ich ihm, und er hat mir kein Leid getan. Wie kann ich meinen König der mich erlöst hat, lästern?“ Der Statthalter: „Schwöre beim Glück des Kaisers!“ Polykarp: „Vernimm mein offenes Bekenntnis: Ich bin Christ.“ Statthalter: „Ich habe wilde Tiere. Ihnen werde ich dich vorwerfen, wenn du nicht nachgibst.“ Polykarp: „Laß sie kommen!“ Statthalter:Wenn du dir aus den wilden Tieren nichts machst und hartnäckig bleibst, lasse ich dich vom Feuer verzehren!“ Polykarp: „Du drohst mit Feuer, das nur eine Zeitlang brennt und bald wieder erlischt. Du kennst nicht das Feuer des kommenden Gerichts und der ewigen Straft, das den Gottlosen bestimmt ist. Doch warum zögerst du? Hole herbei, was du willst!“ Nun schreit das ganze Volk, Heiden und Juden, von Smyrna auf, Polykarp müsse vor die Löwen. Weil die Tierhetzen aber schon vorbei sind, wird der Greis zur Feuerstrafe verurteilt.

Das aufgebrachte Volk schleppt Holz und Reisig aus Werkstätten und Bädern herbei und schichtet es um den Verurteilten herum auf. Man will ihn annageln, doch er erklärt: „Laßt micht so; der mich für das Feuer bestimmt hat, wird mir auch Gnade geben, unbeweglich auf dem Scheiterhaufen stehen zu bleiben.“ Wie einst die drei Männer im Feuerofen wird Polykarp durchs Feuer nicht versehrt. Im Gegenteil, die Umstehenden empfinden einen Wohlgeruch wie vin Weihrauch und kostbarem Gewürz. Der Scharfrichter muß ihm schließlich den Todesstoß geben.

Schließlich sammelt die Gemeinde seine Gebeine, „die wertvoller sind als Edelsteine und kostbarer als Gold. Wir bestatteten dieselben an geeigneter Stelle, wo wir uns womöglich in Jubel und Freude versammeln, um mit der Gnade des Herrn den Tag seines Martyriums und seiner Geburt (!) zu feiern“. Polykarp ist der zwölfte Christ in Smyrna, der seinen Glauben mit dem Blut bezeugt.*

*[Der ursprüngliche Bericht der Gemeinde wurde Überarbeitet (Märtyrerkult!). G. Buschmann, Das Martyrium des Polykarp (1998)= KAV 6. Deutsch in: Bibliothek d. Kirchenväter = BKV; M. Slusser, Maryrium III/I, TRE 22 (1992) 207ff.]/[Sierszyn, Armin. 2000 Jahre Kirchengeschichte. Holzgerlingen [Hännsler]5. Auflage 2005, Bd.1, S.20-22.]

Das Foto zum Artikel zeigt die Stadt Smyrna heute. Heute heisst Smyrna Izmir und ist die drittgrößte Stadt der Türkei.

About Andreas Fronius

Andy ist der Jugend-Pastor in der Crossroads International Church of Basel und arbeitet für Young Life Schweiz. Seine Leidenschaft gilt dem predigen und ausrüsten junger Leute für eine effektive Jugendarbeit. Du kannst dir seine Jugendarbeit hier ansehen: redbasel.ch.

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