So wirst du ein ermutigender Leiter

So wirst du ein ermutigender Leiter

Dieser Artikel ist eine gekürzte Version, des Artikels „So ermutigen wir unsere Kinder“ von Eberhard Platte aus Gemeindegründung (KfG) Nr. 109, S. 28-30. In diesem Artikel geht zwar um Kindererziehung, jedoch sind viele Dinge auf die Jugendleiter – Jugendlicher Beziehung übertragbar.

„Wir haben es in unserer Gesellschaft zurzeit mit einer Generation zu tun, die wenig Mut machende Erziehung von ihren Eltern erfahren hat. Hartmut Jaeger sagte einmal auf einem Erzieherseminar: „Eine wertfreie Erziehung ist eine wertlose Erziehung.“ Das stimmt. Nach einer Zeit der inneren Opposition und der antiautoritären Erziehung hat sich unsere Gesellschaft von den biblisch-christlichen Werten abgewandt und erntet in zunehmenden Maß die aufgehende Saat: Die junge Generation ist auf der einen Seite in weiten Strecken von einer maßlosen Selbstüberschätzung geprägt, auf der anderen Seite von einer inneren Unsicherheit und Labilität (s. Kolosser 3,21), die für die unterschiedlichsten Beeinflussungen und Suchtgefährdungen anfällig ist. Die Anti-Drogen-Kampagne zeigt mit ihrer gegenwärtigen Plakatserie zwar auf, dass das Starkmachen von Kindern vor solchen Gefahren schützen kann, doch kann man von dieser Seite keine entscheidenden Hilfen über das „Wie“ des Starkmachens erwarten. Gottes Wort zeigt uns dagegen hilfreiche Hinweise, sowie negative und positive Beispiele, wie Menschen durch Ermutigung zu starken Persönlichkeiten wurden bzw. welche Wege auch zum Scheitern führten.

Wodurch entsteht Mutlosigkeit?

  1. Durch Überforderung „Lass das“, „Pass auf!“, „Wenn du nicht sofort, dann …!“ Übertriebene Anforderungen der Eltern (Leiter) machen ein Kind mutlos. Hier gilt, was Sprüche 22,6 sagt: „Erziehe den Knaben seinem Weg gemäß.“ Das heißt: Ich darf Kindern nicht mehr abverlangen, als sie ihrem Alter entsprechend vermögen. Wie viele Eltern kommandieren und befehlen den ganzen Tag. Ständige Appelle aber und Ermahnungen ermutigen ein Kind nicht.
  2. Durch Nicht-Zutrauen, durch Herabsetzen vor anderen „Das kannst du nicht, du bist zu klein!“ „Lass mich das machen, ich kann’s besser (oder schneller)“ „Du bist ein Stümper, ein Versager!“
  3. Durch Nicht-hinter-dem-Kind-stehen, durch öffentliches Blamieren oder Lächerlich-Machen „Und du willst mein Sohn sein?!“, „Du kannst ja noch nicht einmal …“, „Du bist und bleibst eine Heulsuse!“, „Ich in deinem Alter …!“, „Nimm dir mal ein Beispiel an deinem kleineren Bruder!“
  4. Durch stetes Vorhalten von Fehlern oder Schwächen „Du schaffst das ja immer noch nicht!“, „Du machst immer die gleichen Fehler!“, „Du bist ein Feigling!“ Ein entmutigtes Kind ist ein ängstliches Kind. Es reagiert schüchtern, gehemmt und unsicher. Es wird sich dadurch wiederum – aus Angst, etwas falsch zu machen – nichts zutrauen. Das ermutigte Kind dagegen, dem Vertrauen und Zuversicht entgegengebracht wurde, entwickelt Selbstvertrauen, es fasst Aufgaben mutig an – und wird sie bewältigen.

Wie können wir denn ermutigen?

Reinhold Rute schreibt in seinem „Elternbuch“ (Brockhaus, 1991):

„Ermutigung ist eine Haltung und Gesinnung; keine Technik oder Methode der Pädagogik!“

Es ist also zunächst wichtig, wie ich zum Kind stehe, welche innere Haltung ich zu ihm habe. Ist mir die Erziehung lästig, weil ich durch den Alltagsstress genervt bin? Oder liegt mir das Wohl des Kindes wirklich am Herzen. Mein Vater sagte in dieser Beziehung stets: „Kindererziehung ist Knie-Arbeit!“ und er meinte damit, dass gemeinsame intensive Gebete der Eltern für ihre Kinder. Gott hat uns Kinder anvertraut, und er gibt uns damit die Verantwortung, sie zu ihm hin und für ihn zu erziehen!

Wodurch können wir also unsere Kinder/Jugendlichen ermutigen?

  1. Durch Gebet für die Kinder. Lasst uns unsere Kinder stets im Gebet vor Gott bringen, das wird uns die Weisheit geben, ihnen täglich in der rechten Weise zu begegnen. Der Herr Jesus sagt: „Lasst die Kinder zu mir kommen!“ Er nahm sie in die Arme und segnete sie.
  2. Durch Gebet mit den Kindern. Zum einen lernen sie so, selbst zu beten, zum zweiten ist es wichtig, die Anliegen der Kinder zum gemeinsamen Gebet zu machen. So erleben sie, dass sie mit allen kleinen und großen Problemen zum Vater im Himmel kommen können und er sie hört. Wie oft haben wir mit unseren Kindern miterlebt, dass Gott ihre Gebete erhört hat! Das hat ihnen Mut gemacht.
  3. Durch Singen mit den Kindern. Eine CD kann niemals das gemeinsame Singen ersetzen! Singen macht froh! Auch wir Erwachsenen haben das vermehrt nötig! Gott im Lied zu loben macht unsere Herzen dankbar und zufrieden (Jakobus 5,13; Psalm 33,3; Kolosser 3,16) und schafft eine frohe, offene Atmosphäre in unseren Familien!
  4. Durch gemeinsames Lesen des Wortes Gottes und durch den Besuch der Gemeinde. Dem Alter entsprechendes gemeinsames Lesen des Wortes Gottes hilft dem Kind, Gott in seinem Wesen als Herrn und Vater kennenzulernen. Das schafft Vertrauen und Geborgenheit auch für Zeiten, in denen Eltern auch vielleicht einmal versagen. Eltern sind nicht vollkommen (früher oder später werden Kinder das merken), Gott aber ist zuverlässig und treu!
  5. Durch echte Vergebung. „Was ich vergeben habe, ist wirklich aus der Welt!“ Das heißt, ich darf Vergebenes nicht wieder hervorholen und vorhalten! Schon gar nicht vor anderen! Vergeben bedeutet: Nicht mehr gedenken! Das ist nicht leicht, aber dringend nötig! (Epheser 4,32)
  6. Durch Erkennen und Fördern von Begabungen. Jedes Kind hat nicht nur Schwächen, sondern auch Stärken. Diese zu fördern, ermutigt Kinder. Der eine ist vielleicht nicht sonderlich intellektuell begabt, aber dafür sehr praktisch veranlagt. Der andere mag zwei „linke“ Hände haben, dafür aber ein Herz für andere. Kinder sind von Gott geschaffen, und Gott hat einen Plan für ihr Leben. Ob wir als Eltern begreifen, wofür Gott unsere Kinder vorgesehen hat?!
  7. Durch Vertrauen und Zutrauen. „Ich traue dir das zu!“, „Willst du es versuchen?“, „Du schaffst das schon!“ Wenn ein Kind seinen Eltern vertraut, traut es sich auch zu, einmal etwas falsch zu machen, ohne dass „die Welt zusammenbricht“. Es riskiert Misserfolg, weil seine Eltern es ihm erlauben, dass es aus Fehlern lernen darf. Lernen bedeutet, auch Fehler machen zu dürfen. Ein ermutigtes Kind weiß, dass seine Eltern trotzdem hinter ihm stehen.
  8. Durch „Danke“- Sagen. „Danke, dass du mir heute geholfen hast!“ Auch wenn man meint, Helfen sei selbstverständlich, „Danke“- Sagen sollte es auch sein! Dank drückt die Zuneigung und Wertschätzung des anderen aus. Gott erwartet Dank von uns (Lukas 17,18), und wir tun gut daran, einander zu danken. Dank macht innerlich zufrieden und ermutigt den anderen sehr.
  9. Durch gemeinsame Unternehmungen. „Ich hab Zeit für dich!“ Wie schnell sind die Kinder groß! Die Zeit der Erziehung ist durch nichts zurückzuholen! Mir ist aufgefallen, dass wir dem Erstgeborenen noch die größte Aufmerksamkeit geschenkt haben, aber der Jüngste bekam am wenigsten unserer Zeit und Zuwendung mit. Wie wichtig jedoch ist, dass unsere Kinder ihre Eltern auch einmal für sich allein haben.
  10. Ermutigen ist mehr als loben. Ermutigen heißt, nicht nur eine gelungene Tat hervorzuheben, sondern ein Bemühen zu würdigen. Ich zitiere noch einmal Reinhold Ruthe: „Der Lobende sagt: ‚Ich bin stolz auf deine guten Noten!‘ Der Ermutigende sagt: ‚Ich freue mich, dass du so gerne lernst!‘ Pessimismus ist Entmutigung, Optimismus ist Ermutigung.

Wie ermutigt Gott?

„Euer Herz fasse Mut!“, „Fürchte dich nicht!“, „Sei mutig und unverzagt!“ – Es lohnt sich anhand der Konkordanz oder eines Computer-Bibelprogramms die Bibelverse herauszuschreiben, in denen Gott bzw. der Herr Jesus uns Menschen Mut macht, uns ermutigt und die Furcht nimmt. Und wenn Gott das tut, sond das keine leeren Worte, sondern wir dürfen wissen: Er steht zu uns, wir können uns auf ihn verlassen. „Ich will dich nicht versäumen noch verlassen!“

Was sind die Voraussetzungen, Kindern / Jugendlichen Mut zu machen?

Wenn ich andere ermutige will, muss ich selbst ein von Gott Ermutigter sein. Ermutigte Eltern vertrauen Gott und können diese Zuversicht, diese Geborgenheit, dieses Vertrauen ihren Kindern weiter vermitteln. Auch hier gilt: Ich kann meine Kinder nur so weit erziehen, wie ich selber von Gott erzogen bin und bereit bin, mich weiter erziehen zu lassen! Ermutigte Eltern schenken ihren Kindern Vertrauen, weil sie sie Gott im Gebet anvertrauen können. Ermutigte Eltern vermitteln ihren Kindern einen getrosten Blick in die Zukunft – auch wenn die Zeiten schwieriger werden – weil sie um das Ankommen am Ziel bei Gott wissen: „Ich bin der guten Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu.“ Philipper 1,6

Ein kleiner Tipp

Zusammen Mutmach-Kärtchen Basteln und zu gegebener Zeit einander schenken.“

About Andreas Fronius

Andy ist der Jugend-Pastor in der Crossroads International Church of Basel und arbeitet für Young Life Schweiz. Seine Leidenschaft gilt dem predigen und ausrüsten junger Leute für eine effektive Jugendarbeit. Du kannst dir seine Jugendarbeit hier ansehen: redbasel.ch.

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