TOP 5 der Gründe eine Jugendgruppe zu verlassen

TOP 5 der Gründe eine Jugendgruppe zu verlassen

Kommen immer weniger Jugendliche in Deine Jugendgruppe? Weist Du nicht, woran es liegen könnte? In diesem Artikel stelle ich euch die fünf häufigsten Gründe vor, warum Jugendliche nicht mehr in die Jugendgruppe / Gemeinde kommen. Es sind eigentlich sehr offensichtliche Dinge, denen jedoch oft nur mit viel Arbeitsaufwand entgegengewirkt werden kann. Fangen wir mal an.

Die Auslegung der Bibel ist lebensfremd. Oftmals können Andachten total am Leben der Jugendlichen vorbei gehalten werden. Dabei wünschen sich die Jugendlichen eigentlich, dass sie praktische Tips für ihr eigenes Leben bekommen. Es geht den wenigsten darum historische Hintergrundinformationen zu bekommen, wenn sie sich nicht mit dem Inhalt der Andacht identifizieren können. Andachten müssen also klar verständlich sein und in die gegenwärtige Lebenssituation der Jugendlichen sprechen. Meiner Erfahrung nach, ist es gar nicht so wichtig ob eine Andacht 20 Minuten oder 60 Minuten lang ist. Die Einbindung der Jugendlichen in die lebensnahe Andacht macht den Unterschied.

Die Gemeinde / Jugendgruppe kümmert sich nicht um persönliche Probleme. Oft tragen Jugendliche ein Problem mit sich herum, bei dem sie sich Hilfe wünschen. Wenn es dann in der Jugendgruppe keinen Raum für solche Fragen gibt, sondern alles auf einen bunten Abend rausläuft fühlen Jugendliche sich wie auf die lange Bank gestellt. Oft beschäftigen sie Fragen über Pornographie, Magersucht, Neonazis, (Vgl. Medienmagazin pro) Homosexualität, Freundschaften, der Umgang mit den Leuten aus der eigenen Klasse, bis hin zu „Was ist Gottes Wille für mich?“, „Wen soll ich heiraten?“, „Welchen Beruf soll ich anstreben?“ und „Wo will Gott mich haben?“. Solche Fragen kommen oft nur in einer vertrauensvollen Beziehung zum Vorschein. Deswegen halte ich es für besonders wichtig einige Mitarbeiter in der Jugendgruppe zu haben die nur als Mentoren oder Coaches für die Jugendlichen da sind. Natürlich müssen diese Mitarbeiter den Jugendlichen dann auf Augenhöhe begegnen. So werden sie sich ernstgenommen fühlen.

Jugendliche dürfen in der Gemeinde keine Verantwortung übernehmen. Das ist ein Punkt der mich immer wieder ärgert. Ich denke keiner sagt: „Bei uns dürfen Jugendliche nichts tun“. Es ist meistens so, dass entweder bereits feste Teams (z.B. Musik, Bild-, Tontechnik, Moderation, Sonntagsschul-, Pfadfinderarbeit, etc.) bestehen und die Jugendlichen nicht richtig in die Teams eingelernt werden. Dann erwartet man von ihnen, dass sie sofort – ins kalte Wasser geworfen – funktionieren. Oder die Jugendlichen werden gefragt ob sie nicht von sich aus ein Team von 0 auf 100 auf die Beine stellen. Dann eben komplett ohne Coaching von erfahrenen Leuten. Diese zwei Weisen Jugendliche zu fragen, ob sie in einer Gemeinde Verantwortung übernehmen wollen sind falsch. Man kommt nicht drum herum sich viel Zeit zum Einlernen und Integrieren eines Jugendlichen zu investieren. Auch hier wird klar, dass es immer ältere Leute braucht die sich um die jüngeren kümmern.

Jugendliche sehen im Leben der Gemeindeglieder Widersprüche zwischen Lehre und Leben. Kurz gesagt: Jugendliche spüren „Heuchelei“. Ich finde es voll cool, dass Jugendliche ein sehr feines Gespür dafür haben. Sie merken es, wenn einer etwas Lehrt und nicht in seinem Leben praktiziert. Das Geheimrezept ist hier „Authentizität“ – Echt zu sein gehört in das Leben jedes Christen. Vor allem in der Jugendleitung sollte da ein besonders großer Wert drauf gelegt werden.

Und nun noch zu dem letzten Grund warum ein Jugendlicher nicht mehr in eine Jugendgruppe kommt. Es ist vielleicht der häufigste und der am schwersten zu lösende:

Jugendliche haben niemanden in der Gemeinde. Beziehungen mit gleichaltrigen Jugendlichen sind heute wichtiger denn je. Da wo mein Freundeskreis ist, da bin ich. Die so genannte „Peer Group“ ist das, was Jugendliche heute regelmäßig zu Jugendstunden kommen lässt. Das Beziehungsfundament einer gesunden Jugendarbeit ist eben total wichtig. Wenn Jugendliche niemanden haben, bleiben sie oft der Gemeinde fern oder besuchen sie nur noch unregelmäßig. Ein Mitarbeiter in der Jugendarbeit kann sich gut um bis zu drei Jugendliche kümmern, aber dann hört es auch schon langsam auf. Hier ist es zudem noch wichtig, dass sich die Jugendlichen selbst umeinander kümmern: Das sie außerhalb des Programms Zeit miteinander verbringen, ins Kino gehen, Eis essen, Grillen, Fussball schauen und solche Sachen. Einfach damit sich so ein stabiles Beziehungsgeflecht entwickelt.

Image: nr49 / scx.hu

About Andreas Fronius

Andy ist der Jugend-Pastor in der Crossroads International Church of Basel und arbeitet für Young Life Schweiz. Seine Leidenschaft gilt dem predigen und ausrüsten junger Leute für eine effektive Jugendarbeit. Du kannst dir seine Jugendarbeit hier ansehen: redbasel.ch.

6 Comments

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  2. Lothar

    Hallo Andy,

    sind das deine Beobachtungen oder das Feedback, das du von Jugendlichen persönlich bekommst, oder gar eine Statistik unter deinen Jugendlichen oder übergreifend?

    Auf jeden Fall sprichst du grundlegende Dinge an, die Jugendliche von einer Jugendgruppe wegtreiben. Die Frage ist halt, ob das wirklich DIE Top 5 an Gründen sind.

    Liebe Grüße,
    Lothar.

  3. Andy

    Hallo Lothar,

    es sind alle drei Dinge: persönliche Beobachtungen, Feedback von Jugendlichen und auch die Erfahrungen von anderen Jugendleitern.

    Es gibt neben diesen Gründen noch viele weitere. Jeder Jugendliche der eine Jugendgruppe nicht weiter besuchen möchte hat seine eigene Geschichte. Oftmals gibt es dann auch mehr als einen Faktor die Gruppe zu verlassen.

    Ein weiterer sehr häufiger Grund nicht weiter in die Jugendgruppe zu kommen ist, wenn man sich auf irgendeine Weise nicht richtig angenommen gefühlt hat oder sogar verletzt wurde – wie z.B. durch einen „lustig gemeinten“ aber doch beleidigenden Kommentar.

    Welche Erfahrungen hast du gemacht?

    Andy

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