[Un]geteilt

[Un]geteilt

Stellt euch mal vor:
Ein Mann kam eines Tages zu einem Palast. Er ging an die Tore und erbat Einlass. Sein Herz klopfte, er war aufgeregt. Soldaten, die die Tore bewachten erkannten ihn und ließen ihn durch. Der Mann ging an den Wachen vorbei, hindurch durch den schmalen Gang auf den Vorhof des Königshauses. Ein weiter ummauerter Platz. Auf den Mauern stehen die Wachen des Königs. Er versucht sie nicht anzusehen, sondern geht seinen Weg geradewegs durch den Hof, an den Stallungen vorbei. Er lässt den königlichen Brunnen zu seiner Rechten liegen. Vor ihm liegt nun ein weiter Treppenaufgang, er führt hinauf ins Dunkle – in den Thronsaal des Königs.
Seine Kraft lässt immer mehr nach, die Muskeln fühlen sich nun wie weiches Gummi an, das sich nichtmehr gebrauchen lässt. Er weiß, er muss es tun. Er muss es sagen.  Sein Herz brennt. Erst letzte Nacht sprach Gott zu ihm. Er teilte ihm die Worte mit, die er nun dem König ausrichten sollte. Der Mann weiß, dass er in wenigen Minuten an einen Punkt gelangen wird, an dem sein Leben in größter Gefahr sein wird. Dann wird es kein Zurück mehr geben. Aber er kann nicht anders, denn Gottes Wort brennt in seinen Knochen, er würde ihn zerreißen, wenn er die Worte in sich behielte – sie müssen einfach raus.
Mit jeder Stufe die er besteigt wird er ruhiger, sein Entschluss steht, seine Rede hat er bereits hunderte Male in seinen Gedanken gegliedert. Vier Punkte sind es, die er sagen will. Oben angekommen wird er bereits vom König erwartet. Vor dem König versucht er einen festen Stand zu bewahren, die Zeit steht still, sein Herz presst nun mit einem so starken Druck, das er befürchtet der König würde es ihm anmerken.
Der König eröffnet mit den Worten: „Hanani, welche Kunde bringst du mir heute?“
Ein letztes Mal rasen ihm alle möglichen Folgen seiner schweren Worte durch denk Kopf. Hängen, steinigen, aushungern, blenden, verstümmeln, verbannen, entmannen, enteignen und vieles mehr stand nun wie ein Buffettisch vor ihm aufgebahrt. Wofür sollte er sich entscheiden? – Oder heute doch einmal verzichten? Einfach schweigen – das wäre die „friedfertige“ Alternative. Nun, Gott wollte keinen Frieden, diesmal nicht, dieses Mal ist es anders.
36! Sechsunddreißig Jahre – das sind ja schon fast zwei Generationen – so lange ist der König schon auf seinem Thron. Der König hatte viel in seinem Leben durchgemacht. Eines der besondersten Ereignisse seines Lebens war, als er mit 580.000 Mann gegen die Kuschiter in den Krieg zog. Da wurde sein Heer von über 1.000.000 Soldaten plus 300 Streitwagen angegriffen. Der König bekam es damals mit der Angst zu tun und schrie, ja er schrie laut zu Gott um Hilfe:
„Herr, bei dir ist kein Unterschied zu halfen, wo viel oder wo keine Kraft ist. Hilf uns, Herr, unser Gott, denn wir verlassen uns auf dich, und in deinem Namen sind wir gegen diesen Haufen gezogen! Du Herr, bist unser Gott! Vor dir behält der Sterbliche seine Kraft!“
Gott erhörte prompt sein Gebet und schlug das Heer der Kuschiter verheerend. Die Schlacht war entschieden.
Seitdem waren nun wohl drei Jahrzehnte vergangen. Der König hatte sich in dieser Zeit verändert. Nun stand erneut der Feind vor den Toren. Der König Baesa hatte Rama, eine Nachbarstadt zur Festung umgebaut und übte von dort Druck auf den König Asa aus. König Asa konnte nichtmehr einfach so aus seiner Stadt verreisen – er war eingeschränkt in seinem eigenen Land. Nach dem Motto: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!“ nahm Asa vom Schatz aus dem Tempel Gottes um mit dem Geld ein Bündnis mit dem König von Aram zu kaufen. Der König von Aram kümmerte sich um einige Städte des Belagerers und die Bedrohung wurde beseitigt.
Der Friede war mittlerweile wieder im Land eingekehrt. Die politische Situation entspannt. Der Friede mit wenig Blutvergießen erkauft.
Da stand er nun. Hanani, ein relativ unbekannter Prophet, vor dem großen König, der so viele Schlachten geschlagen und das Land von okkulten Opferplätzen gesäubert hatte. Vor dem Mann, der so vieles in seinem Leben absolut richtig und gewissenhaft getan hat. Vor dem mächtigsten Mann des Landes.
Hanani eröffnete plötzlich:
„Weil du beim König von Syrien Hilfe gesucht hast, anstatt sie vom Herrn, deinem Gott, zu erwarten, darum hast du dich selbst um den Sieg über den König von Syrien gebracht! Hast du schon vergessen, mit welch riesigem Heer von Wagen und Reitern die Äthiopier und Libyer gegen dich anrückten? Und doch hat der Herr dir den Sieg gegeben, weil du ihn um Hilfe gebeten hast. Der Herr steht allen bei, die allein ihm vertrauen. Auf der ganzen Welt sucht er nach solchen Menschen. (A.Ü.  „Denn des Herrn Augen schauen alle Lande, dass er die stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.“). Dein Bündnis mit dem König von Syrien war ein schwerer Fehler! Von jetzt an wirst du ununterbrochen Krieg haben!“
Der König wurde so wütend, das er Wutentbrannt den Propheten ins Gefängnis werfen und seine Füße in einen Holzblock einschließen ließ. Auch andere aus dem Volk wurden von Asa misshandelt.
Als Hanani im dritten Jahr im Gefängnis saß erkrankte Asa an den Füßen. Es dauerte zwei weitere Jahre, bis er starb. Während der gesamten Krankheitszeit des Königs wendete er sich kein einziges Mal an Gott. Er konsultierte eine endlose Zahl von Ärzten, doch die konnten ihm das Leben nicht retten.
Ungeteilt
„Denn des Herrn Augen schauen alle Lande, dass er die stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.“ (Seher Hanani zum König Asa in 2. Chronik 16,9)
Gott ist aktiv, er sucht nach dir. Gott will dich stärken, oder wie es in einer anderen Übersetzung heißt: „Er will sich mächtig an dir erweisen.“
Es gibt Menschen, die Glauben das Gott die Welt verlassen hat, nachdem er sie erschaffen hatte. Das stimmt nicht. Er ist hier. Jetzt. Er musste die Menschen ihrer eigenen selbst verschuldeten Sünde überlassen, weil er ihnen die Entscheidungsfreiheit dazu gab.
Aber Gott möchte nicht, dass es so bleibt. Er möchte dich nicht deiner Sünde überlassen. Stattdessen will er eine Beziehung mit dir. Nach dazu, würde er sich gerne mächtig an dir erweisen.
Wenn du jetzt schon bei dir gedacht hast: „Klar, wenn er will, dann soll er mal machen!“ – Das geht gar nicht. Weil zwischen dir und Gott eine Sündenmauer steht.
Er hat aber eine Tür eingebaut. Die ist Jesus Christus. Durch Jesus Hinrichtung für deine Sünden bist du frei von Sünden, wenn du an Jesu Stellvertretertod glaubst.
Die Form von Glauben, die ich hier meine ist der, der am Charakter und der Lebensführung des Glaubenden sichtbar wird. Biblischer Glaube ist ein Hoffen auf das was man nicht sieht, ein überzeugt sein  von biblischen Wahrheiten, ohne dass man sie reproduzieren oder anderswie nachweisen kann. Ein treffender englischer Slogan zu dem Thema lautet: „ We walk by faith and not by sight.“ – Das bedeutet dem Sinn nach: „Wir bestreiten das Leben im Glauben und nicht weil wir die Dinge die und beeinflussen sehen können.“
Bist du diesen Schritt gegangen, macht Gott dich empfänglich für seine Liebe und verändert dich Tag für Tag. Er sucht nach einem ungeteilten Herzen. Er schaut in dein Herz und prüft, ob es für ihn bereit ist – ob es seine Segnungen (vom Gewicht her) aushalten kann.
Werfen wir mal einen Blick auf Asa und Hanani in der ursprünglichen Geschichte in 2. Chronik 16,7-9:
Asa hat sich auf den König von Syrien verlassen, damit Teilte er sein Herz zwischen Gottes Sicherheit und weltlicher Sicherheit auf. Asa hatte früher göttliche Führung und Wunder bei Schlachten erlebt. (Vgl. 2. Chronik 14,8-12) Doch er wollte bei der jüngsten Auseinandersetzung mit dem Feind auf Nummer sicher gehen und holte sich den König von Aram ins Boot. Die Folge war, dass Gott ihm den Rücken kehrte, Asa krank wurde und starb.
Nun, was hat diese Geschichte mit mir zu tun? Wird sich manch einer fragen.
Es ist nicht schwer das zu erklären:
Jesus sagt, dass man ihm ungeteilten Herzens, also radikal nachfolgen soll. Ebenso ungeteilt soll auch unser Glaube an Jesus Christus und Gott und den Heiligen Geist sein.
Wie ein Mann aussieht, dessen Herz an zu vielen anderen Dingen hängt, wird uns in Matthäus 19,16-26 skizziert:
Ein junger und reicher Mann kam eines Tages mit der Frage: „Meister, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?“ zu Jesus.
Jesus entgegnete mit der radikalen Forderung alles zu verkaufen und (das Geld) den Armen zu geben, weil  er so Schätze im Himmel sammeln würde. Als der junge Mann das hörte, wurde er traurig, weil er sich nicht von seinen vielen Sachen trennen konnte. Sein Herz war zwar begeistert von Jesus, aber nicht ungeteilt für ihn.
Ich dachte mir, wenn man die Haupteigenschaften einer Person auflistet, kann man so leicht seinen Schwachpunkt herausfinden den es wegzuarbeiten gilt.
Beispiel:
[reich & jung] — schwäche — [alles abgeben/teilen] [intelligent & berühmt] — schwäche — [demütig/Gottes Ruhm suchen] [ängstlich/an Menschen klammern] — schwäche — [Glauben/an Gottes Wort klammern] …
IST DEIN HERZ GETEILT?

About Andreas Fronius

Andy ist der Jugend-Pastor in der Crossroads International Church of Basel und arbeitet für Young Life Schweiz. Seine Leidenschaft gilt dem predigen und ausrüsten junger Leute für eine effektive Jugendarbeit. Du kannst dir seine Jugendarbeit hier ansehen: redbasel.ch.

3 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.