Wer waren die Weisen aus dem Morgenland?

Wer waren die Weisen aus dem Morgenland?

In der kirchlichen Tradition der Weihnachtsgeschichte spielt eine Gruppe von Männern eine so entscheidende Rolle, dass ihnen sogar ein Feiertag im Jahr gewidmet ist. Es geht um die Weisen aus dem Morgenland, von denen Gottes Wort in Matthäus 2,1-12 berichtet. Im Volksmund sind sie auch bekannt als „die heiligen 3 Könige“ oder „die Magier aus dem Morgenland“. Wer waren sie, woher kamen sie und was können wir von ihnen lernen?

Wenn wir diese Begebenheit chronologisch in die Weihnachtsgeschichte einordnen, dann als eine der letzten Begebenheiten. Jesus ist bereits ein bis zwei Jahre alt. Diese Feststellung ergibt sich aus der Auskunft der Weisen an Herodes, wann der Stern im Morgenland zuerst erschienen ist und der Tatsache, dass Herodes später alle Kinder in Bethlehem umbringen ließ, die unter 2 Jahren waren.

Wer waren diese Weisen aus dem Morgenland?

Dass es 3 Weise oder gar Könige waren erwähnt Matthäus mit keiner Silbe. Die Zahl 3 wurde wegen an der Anzahl der Geschenke hinzugefügt und auch die bekannten Namen der angeblichen Könige wurden ihnen erst gegen 600-700 nach Christi Geburt gegeben. Woher kamen diese Männer und was war ihr Anliegen?`

Die Elberfelder Bibel spricht von „Weisen aus dem Morgenland“. Treffender wäre die Bezeichnung „die Magier aus dem Morgenland“, denn im griechischen steht hier das Wort ‚Magos‘. Manche Übersetzungen verwenden deshalb auch den Begriff ‚Magier‘. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Berufsbeschreibung, sondern deutet vielmehr auf die Abstammung der Weisen hin.

Ein paar Zitate zeigen uns ihre mögliche Herkunft und Funktion auf. Was waren die Weisen aus dem Morgenland: Magier, Weise oder Könige?

Das 1. Zitat stammt von Kurt Henning aus dem „Jerusalemer Bibellexikon“ und berichtet von einem Stamm „Magi“:

Die Meder waren ein Volk, das im Osten von Mesopotamien lebte. Medien wird oft zusammen mit Persien erwähnt (Esth. 10,2; Dan. 5,28; 8,20). (…) Das Königreich Medien wurde von Diokes gegründet, der die sieben Mederstämme vereinte (am bekanntesten unter ihnen sind die Magi, ein Geschlecht von Priestern); er regierte 53 Jahre (699-646 v. Chr.)

Das 2. Zitat stammt von August Strobel, Theologe und Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft:

Nach dem griechischen Text waren es Magier, ein Begriff, der Verwirrung stiften könnte, bedenkt man nicht seine damalige Bedeutung. Mit Zauberei haben nämlich diese Männer absolut nichts zu tun. Sie gehörten vielmehr der höchsten Bildungsschicht des iranisch-persischen Landes an. Sie waren Priester, Mediziner, Philosophen in einem und überhaupt Gelehrte im Dienst des Volkes. Es waren die Besten ihres Landes, die danach eiferten, ein heiliges Leben zu führen (so Strabo XV 3,1:727). Porphyrius nennt sie Naturwissenschaftler, ‚die wissen, wie die Götter zu verehren sind‘ (de abstin. 4,16). (…) Nach den grundlegenden Arbeiten von G. Messina bewahrten sie vor allem die Hoffnung auf einen letzten Erlöser der Menschheit, dessen Erscheinen sich durch ein Sternzeichen ankündigen werde.

Wenn wir jetzt wissen, dass die Magier keine Zauberer waren wie das unsere heutige Verwendung des Begriffs Magier vermuten lässt, und dass sie sehr wahrscheinlich aus dem Stamm der Magi waren, dann können wir uns die Frage stellen, wo diese „Magier“ ihren Dienst ausübten.

Karte 2. Jhd. n. Chr

Karte 2. Jhd. n. Chr

Um diese Frage beantworten zu können, werfen wir einen Blick auf Daniel und seine Freunde. Die Bibel berichtet, dass sie ca. 600 v. Christus an den Königshof nach Babylon kamen, um dort als Gelehrte ausgebildet zu werden und zu dienen. Da die Gelehrten aus dem Stamm der Magi höchste politische Bedeutung hatten, kann man davon ausgehen, dass auch sie am Königshof dienten und in der Nähe angesiedelt waren.

Nachdem Daniel von den Löwen gerettet wurde, hat der damalige König Darius das ganze Volk aufgefordert, den Gott Daniels zu fürchten. Und am Ende von Daniel 6,29 steht: „Und Daniel hatte große Macht im Königreich des Darius und auch im Königreich des Kyrus von Persien.“ Ab dieser Zeit hatte das jüdische Volk einen sehr großen Einfluss auch auf die politischen Geschehnisse der damaligen Zeit. Auch die Geschichte der Esther, die sich um ca. 470 v. Christus ereignete, ist ein Beispiel für den jüdischen Einfluss in der damaligen Zeit.

Laut dem jüdischen Historiker Flavius Josephus baute Daniel, nachdem er unter Darius in so bedeutende Position gehoben wurde, einen Turm in einer Stadt namens Ekbatana. Das spannende ist, dass zur Zeit Jesus die Parther an der Macht waren und Ekbatana ihre Hauptstadt war! Höchstwahrscheinlich kamen die Weisen aus dieser Stadt. Und es waren sicher nicht nur 3, sondern vermutlich eine ganze Karawane die kam.

Woher wussten sie von dem König der Juden?

Wo ist der König der Juden geboren? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihm zu huldigen.“ Mit dieser Frage bringen sie Herodes ganz schön ins Schwitzen. Doch woher hatten sie dieses Wissen um konkret nach einem „König der Juden“ zu fragen?

Viele Erzählungen gehen davon aus, dass die Magier aus dem Osten einen Stern gesehen hatten und dieser Stern vor ihnen herzog bis nach Jerusalem. Dass stimmt aber gar nicht. In Matthäus steht: „Wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen!

Die Magier wussten, dass ein Erlöser kommen wird!

Es gab einen besonderen Stern, der die Magier daran erinnert hat, dass einst der Erlöser, der Messias, kommen soll. Sie wussten Bescheid, dass aus Juda heraus der Erlöser kommen wird, gepaart mit einem Ereignis am Himmel! Und bei der Frage, woher sie das wussten, müssen wir nochmal an Daniel denken, den Obersten Gelehrten im Reich von Darius. Er hat wie kein anderer auch zeitliche Prophezeiungen auf den Messias getätigt und diese niedergeschrieben. Dieses Wissen hat er sicher auch weitergegeben – auch an die Gelehrten aus dem Stamm Magi, die ja über die Jahrhunderte hinweg immer diese Rolle unter den verschiedenen Herrschern innehatten.

Zusätzlich zu dieser Quelle waren in Ekbatana viele Juden ansässig. In der Stadt Ekbatana, die heute Hamadan heißt,  gibt es z. B. noch die angeblichen Grabmale von Esther und Mardorchai. Der Überlieferung nach hat Esther damals auch eine jüdische Kolonie gegründet.

Es war viel jüdisches Leben vorhanden in Ekbatana und aus der Zeit Jesu ist berichtet, dass ein ganzes Fürstenhaus der Parther zum jüdischen Glauben übertrat, was uns erkennen lässt, dass auch der jüdische Glaube und die alten Schriften der Juden aktiv gelehrt und verbreitet wurden.

Was können wir aus der Geschichte lernen?

Die Weisen aus dem Morgenland wussten, was sie suchten. Sie suchten niemand anderen und keinen Geringeren, als den prophezeiten König der Juden, den Erlöser, den Messias! Das Erscheinen eines besonderen Sterns am Himmel teilte ihnen mit, dass der Erlöser geboren war. Und Gott selbst gib den Sternen bereits bei der Schöpfung in 1. Mose 1,14 diese Aufgabe: „Und Gott sprach: Es sollen Lichter an der Wölbung des Himmels werden, um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, und sie sollen dienen als Zeichen und zur Bestimmung von Zeiten und Tagen und Jahren;

Die Weisen erkennen an dem Stern Gottes Handeln

Auch Paulus schreib in Römer 1,18ff, dass niemand eine Entschuldigung aufweisen kann, denn in dem Geschaffenen ist der Schöpfer zu erkennen. Die Menschen haben aber das Geschöpf angebetet, anstatt der Schöpfer!

Die Weisen erkennen an dem Stern Gottes Handeln und ihr Wissen bringt sie bis nach Jerusalem. Aber um von der Erkenntnis Gottes zur Anbetung zu kommen, brauchen sie Kontakt zu Gottes Wort!

Die Weisen sind in Jerusalem und was es jetzt braucht sind Schriftkundige, die ihnen jetzt die letzten Meter erklären, die es noch zu gehen gilt! Sie haben sich auf den Weg gemacht, um diesem neuen König, dem Messias, zu huldigen. Sie haben Geschenke eingepackt uns sind bereit, alles dafür zu tun und zu geben – trotzdem brauchen sie am Ende noch das Zeugnis von Gottes Wort, um den Messias tatsächlich zu finden.

Um aber tatsächlich Frieden mit Gott zu bekommen, reicht alleine die Erkenntnis Gottes nicht aus!

Es ist paradox: Gott zeigt sich in der Schöpfung den Menschen so, dass sie keine Entschuldigung mehr haben. Jeder Mensch kann an Hand der Schöpfung erkennen, dass es einen ewigen Gott gibt vor dem alle Menschen Rechenschaft ablegen müssen. Um aber tatsächlich Frieden mit Gott zu bekommen, reicht diese Erkenntnis nicht aus! Es braucht Menschen, die ihnen Gottes Wort verkündigen, die ihnen das Evangelium bringen und somit helfen, von der Erkenntnis Gottes zum Frieden mit Gott zu gelangen! In Christus ist das Heil zu finden. Nicht in der Schöpfung! Sie ist nur ein Hinweis, ein Zeugnis für Gott.

Stellen wir uns die Szene in Jerusalem mal vor: Da kommen einige Weise aus dem Morgenland und erzählen den Juden, dass „Der König der Juden“, der Messias geboren ist und sie gekommen sind, um ihm zu huldigen. Und was ist die Reaktion der Menschen in Jerusalem? Bestürzung! (nachzulesen in Matthäus 2,3-6)

Wie abgeklärt ist dein Glaube, wie sehr hast du ihn reduziert auf deinen eigenen Verstand?

Und damit kommen wir auch zu uns: Wie reagierst du darauf, wenn andere zu dir kommen und von einer Offenbarung Gottes reden? Wie reagierst du darauf, wenn andere kommen und von ihrem Vertrauen auf den Retter Jesus Christus erzählen? Wie abgeklärt ist dein Glaube, wie sehr hast du ihn reduziert auf deinen eigenen Verstand?

Die Weisen sind nach Jerusalem gekommen, um den Messias anzubeten. Und was finden sie vor? Bestürzung über diesen Wunsch und diese Botschaft! Und damit nicht genug…Herodes veranlasst, dass die geistliche Elite der damaligen Zeit die alten Schriften durchforstet und Auskunft gibt. Und das tun sie auch. Sie teilen den Weisen mit, wo der Messias geboren werden soll. Aber ansonsten? Auf geht’s, weiter im Alltag. „Wir müssen Opfer darbringen“, „es ist Gottesdienst“, „ich muss Weihnachten vorbereiten“. Wieso sind sie nicht gleich aufgesprungen, wenigstens um zu überprüfen, ob das denn wahr ist, was die Weisen da berichten? 8km sind es von Jerusalem nach Bethlehem, das ist nur einen Steinwurf weit. Aber nein, hochtheologisch und als gute Schriftenkenner können sie zwar Auskunft über jedes Detail geben, wo der König der Juden geboren wird, aber haben keinen Glauben mehr.

Für mich sind die Juden in Jerusalem die Verlierer in der Geschichte. Die Hüter von Gottes Wort glauben nicht mehr an sein Wort, sondern verwalten nur noch ihre Tradition. Was für ein trauriger Anblick!

Ich befürchte, wir sind auch nicht davor geschützt: Wir sitzen in unserer Wohlfühlzone, haben vor uns Gottes Wort liegen und sind skeptisch, wenn Gott durch andere Menschen etwas bewirkt. Wir haben Theorien über Gott und seine Gemeinde, über das Leben als Christ aber wie viel davon ist in unserem Leben Realität? Wir reden von Vergebung und zweifeln aber daran, dass Gott auch Versöhnung bewirkt? Gott wirkt vor unseren Augen und wir nehmen dass ohne Regung zur Kenntnis. Hoffentlich halten wir die, durch die Gott wirkt nicht für Spinner. Das wäre noch die Krönung.

Lasst uns Gott nicht nur kennen,  sondern in der Kraft Jesu Christi leben!

Lasst uns aufwachen! Lasst uns Gott neu vertrauen! Lasst uns Gott neu erleben! Lasst uns Gott nicht nur kennen,  sondern lasst uns in der Kraft Jesu Christi leben, Tag für Tag, Stunde für Stunde.

Gott sandte die Weisen als Boten nach Jerusalem um sein Volk aufzurütteln. Doch auch diese Botschaft wurde nicht gehört.

Wie taub sind wir für Gottes Botschaft? Er wurde Mensch um sich uns nicht nur durch Worte sondern auch durch sein Leben zu zeigen. Er hat seinen Sohn geopfert, damit wir Leben haben. Doch das einzige was uns daran interessiert, ist, welche tiefere Wahrheit wir aus dem Symbol des Kreuzes ziehen können. Taubheit und Dummheit vernebeln unseren Sinn und wir erkennen nicht die rettende Wirkung dieser einfachen Botschaft: Jesus ist für uns auf diese Erde gekommen um uns zu retten! Amen! Und damit genug! Keine Religion mehr, alleine der Glaube an diesen Jesus Christus rettet!

Die Weisen aus dem Morgenland waren die ersten Heiden, die Jesus Christus angebetet haben. Sie sind damit auch die Vorgänger aller gewesen, die ihr Leben Jesus anvertrauen. Sie sind ein frühes Zeichen für den Beginn der Gnadenzeit für die Menschen auf der ganzen Welt. In ihrer Anbetung brachten sie Jesus Geschenk dar, die ihn als König (Gold), als Gott (Weihrauch) und als Heiland (Myrrhe) geehrt haben. In dieser Anbetung steckt das ganze Evangelium.

Und wie damals in Jerusalem fordert die Geschichte der Magier aus dem Osten uns auch heute auf hinzugehen und diesen Jesus anzubeten als unseren König, als allmächtigen Gott und als unseren Heiland der für uns starb. Es ist die frohe, als einzige ewiges Leben bringende Botschaft, die es für uns Menschen auf dieser Welt gibt. Vor ca. 2000 Jahren ist auch dein Heiland geboren. Du hast die gleiche Wahl wie die Menschen damals in Jerusalem. Hinzugehen und anzubeten oder die wichtigste Nachricht deines Lebens zu verpassen.

 

 

Einiges Hintergrundwissen wurde aus folgendem, sehr gut recherchierten Artikel entnommen:
http://www.jesus.ch/information/feiertage/weihnachten/magazin/history_special/108426-die_magoi_von_ekbatana.html

About Daniel Monshausen

Jahrgang 1984, verheiratet und 3 Kinder. Seit mehr als 8 Jahren ist Daniel als Jugendleiter in der Freien evang. Brüderversammlung in Metzingen aktiv. Er hat eine einjährige Grundlagenausbildung am EBTC Zürich absolviert. Seit 4 Jahren ist er Verantwortlicher im Holynetwork mit dem Schwerpunkt holynetwork.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.