Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit? Teil 1

Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit? Teil 1

Wenn du Jugendleiter oder Jugendmitarbeiter bist, kennst du das Problem. Da gibt es einige Jugendliche, die es einfach nicht schaffen regelmäßig zur Jugendstunde zu kommen und ihre Zusagen nicht einhalten. Es fehlt vielen Jugendlichen an Verbindlichkeit. Deshalb ist die Frage so wichtig: Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit? Was kann ich als Jugendleiter dafür tun, dass die Jugendlichen verlässlich werden?

Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit

Schritt 1: Das Problem der Verbindlichkeit verstehen

Bevor wir auf das Problem der Verbindlichkeit reagieren können, müssen wir es in einem ersten Schritt verstehen. Deshalb fragen wir zuerst, was ist Verbindlichkeit? Danach gehen wir auf die offensichtlichen Ursachen und zuletzt auf die geistlichen Ursachen von fehlender Verbindlichkeit ein.

1.1 Was ist Verbindlichkeit?

Verbindlichkeit ist normalerweise kein Wort, das wir im Alltag häufig gebrauchen. Deswegen nähern wir uns dem Begriff einfach mal über die Definition bei Wikipedia:

„Verbindlichkeit bezeichnet die Konsequenz, Ausdauer bzw. Standhaftigkeit, mit der eine Person – teils unter widrigen Umständen – zu einer Zusage oder Absichtserklärung steht, die sie einer anderen Person oder anderen Personen gemacht hat. Sie wird entweder bis zu ihrer Verwirklichung verfolgt oder klar widerrufen (…). Sie gilt vielen als zwingende Voraussetzung für einen fairen und korrekten Umgang miteinander und impliziert Verlässlichkeit.“

Verbindlichkeit hat also viel mit Selbstverpflichtung und Umsetzung des geäußerten Willens zu tun. Eine Entscheidung muss trotz Widerständen und anderer „Versuchungen“ umgesetzt werden.

Das sehen wir ganz deutlich bei den möglichen Ursachen für fehlende Verbindlichkeit.

1.2 Was sind die Ursachen für fehlende Verbindlichkeit?

Es gibt viele mögliche Gründe für fehlende Verbindlichkeit:

  1. Einer der häufigsten Gründe für fehlende Verbindlichkeit ist die fehlende Selbstverpflichtung. Sie kann fehlen, weil die Erwartung zur Verbindlichkeit von Seiten der Jugendleitung nie oder unklar geäußert wurde. Der Jugendliche könnte aber auch noch nie (persönlich) gefragt worden sein oder hat sich (noch) nicht dazu geäußert.
  2. Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit der Verbindlichkeit, weil sie ihre Freiheit für andere Optionen nicht einschränken wollen. Sie sagen zum Beispiel nicht zu, weil sie nicht wissen, ob nicht noch etwas besseres zur Wahl stehen könnte. Die beste aller Möglichkeiten kann ohne klare Verbindlichkeit zum Schluss gewählt werden.
  3. Die meisten von uns wissen, was sie verbindlich tun sollten oder gut für sie wäre, setzen es aber nicht um, wenn die Trägheit oder Unlust (innerer Schweinehund) und der Reiz anderer Dinge stärker ist. D.h. wenn die Serie, die man gerade sieht oder das Lernen für die Prüfungen in dem Moment wichtiger sind, hat die Jugendstunde Pech gehabt.
  4. Andersherum gesagt, kann die Jugendstunde qualitativ als nicht lohnenswert oder „gut“ genug empfunden werden. D.h. eine sich verändernde subjektive Beurteilung zu der sich selbst verpflichteten Sache kann ausschlaggebend für die fehlende Verbindlichkeit sein.
  5. Und nicht zuletzt ist eine fehlende Selbstorganisation und Priorisierung von Werten und Veranstaltungen entscheidend. Wenn ich meine Zeit nicht aktiv gestalte und mir nicht klar ist, was mir wichtig ist, werde ich spontan immer wieder unterschiedliche Entscheidungen treffen und damit nicht verbindlich sein können.

1.3 Was sind die geistlichen Gründe für fehlende Verbindlichkeit?

Biblisch betrachtet hat die fehlende Verbindlichkeit vor allem mit fehlender Liebe zu  tun! Unsere mangelnde Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen lässt uns immer wieder bezüglich unseren Verbindlichkeiten scheitern. Wir halten Zusagen und Versprechen nicht ein und enttäuschen Gemeinschaften wie die Jugend, weilWie Verbindlichkeit sie uns nicht wichtig genug sind.

Die vordergründige Ursache ist, dass wir nicht können! „Ich kann nicht zur Jugendstunde kommen, weil ich aufräumen muss.“ Doch wir „können“ das Gute oder Richtige meistens nicht tun, weil wir es nicht (genug) „wollen“. Nicht umsonst heißt es: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Wieder anders ausgedrückt ist die Sünde ein Kernproblem der fehlenden Verbindlichkeit. Mangelnde Liebe und der fehlende Wille oder die fehlende Kraft Dinge umzusetzen ist auf die Sünde in uns (unser altes Wesen) zurückzuführen. Paulus schreibt:

Ich tue nicht das Gute, das ich tun will, sondern das Böse, das ich nicht tun will. Wenn ich aber das, was ich tue, gar nicht tun will, dann handle nicht mehr ich selbst, sondern die Sünde, die in mir wohnt. (Römer 7,19-20)

Wir haben es hier mit einem „Herzensproblem“ zu tun! Wir brauchen ein „neues Herz“ und einen „neuen Geist“ (vergleiche Jahreslosung 2017)!

1.4 Fazit zum Problem von Verbindlichkeit

Das Problem der Verbindlichkeit betrifft nicht nur Jugendliche, sondern auch die Jugendleiter. Die äußerlichen Gründe sind vielfältig und sind meistens auf unterschiedliche Lebenssituationen zurückzuführen. Doch die geistlichen Gründe für fehlende Verbindlichkeit offenbaren, dass wir unter einem „Herzensproblem“ leiden und es mit mangelnder Liebe und Sünde in unserem Leben zu tun haben. Wenn wir dieses Problem erkennen, werden wir bestimmte Jugendliche nicht leichtfertig verurteilen und abschreiben, sondern mit geistlichen Mitteln vorgehen.

Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit? Zunächst brauche ich ein gutes Verständnis des Problems! In die Teilen 2-3 erfährst Du, wie Du es in Deiner Jugendarbeit umsetzen und mehr Verbindlichkeit erreichen kannst.

Alle Artikel der Serie findest Du unter folgenden Links:

Schritt 1: Das Problem der Verbindlichkeit verstehen
Schritt 2: Die erwartete Verbindlichkeit liebevoll kommunizieren
Schritt 3: Jugendliche zur Verbindlichkeit begleiten

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