Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit? Teil 2

Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit? Teil 2

Jugendliche sind nicht so bekannt für ihre Verlässlichkeit. Das ist ein Problem in der Jugendarbeit, auf das wir Jugendleiter eingehen müssen. In Teil 1 der Serie „Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit?“ ging es um das Verständnis des Problems. Die Ursachen sind wichtig für den Umgang mit dem Thema! Als zweiter Schritt folgt dann die klare Kommunikation unserer Erwartungen und der Vorteile von Verbindlichkeit für die Jugendlichen!

Schritt 2: Die erwartete Verbindlichkeit liebevoll kommunizieren

2.1 Warum sollten wir unsere Erwartungen kommunizieren?

Sehr häufig begehen wir den Fehler, dass wir nicht klar zum Ausdruck bringen, was wir eigentlich von unseren Mitmenschen (vor allem dem Ehepartner) erwarten. Genauso verhält es sich wohl auch in den meisten Jugenden. Wir sagen den Jugendlichen nicht (oder nicht klar genug), was wir von ihnen erwarten oder uns von ihnen wünschen.

Wir sagen den Jugendlichen nicht klar genug, was wir von ihnen erwarten

Die Gründe dafür sind vielfältig. Meist liegt es eher an uns, als an den Jugendlichen. Viele haben es einfach nicht gelernt eigene Wünsche und Erwartungen angemessen zum Ausdruck zu bringen. Vielleicht wurden wir mal zu sehr unter Druck gesetzt oder empfinden Erwartungen als negativ.

Jedoch überwiegen die Vorteile einer klaren Erwartungshaltung:

  • Die Jugendlichen wissen woran sie sind! Häufig sind wir enttäuscht, geben dem anderen aber nicht die Möglichkeit es richtig zu machen. Oft sind die Dinge für uns selbstverständlich, die anderen überhaupt nicht so selbstverständlich und bewusst sind. Wenn wir unsere Erwartungen kommunizieren fällt es den Jugendlichen leichter uns Jugendleiter glücklich zu machen oder nachzuvollziehen, warum wir unzufrieden sind.
  • Wir sind nicht einfach nur frustriert, sondert sprechen aus, was wir uns wünschen. Der offene Umgang mit dem Thema hilft uns als Leiter. Achtung: Es geht nicht darum sich vor den Jugendlichen Frust von der Seele zu reden, sondern diesen erst gar nicht entstehen zu lassen.
  • Die Jugendlichen lernen, dass funktionierende Gemeinschaften Verbindlichkeit erfordert. Dies ist gerade in unserer Gesellschaft eine der größten Lektionen, die Jugendliche lernen können.
  • Wir Jugendleiter lernen Erwartungen und Wünsche besser zu äußern und Jugendliche lernen, dass man Erwartungen und Wünsche äußern sollte…

An unserem vollkommenem Gott sehen wir auch, dass Erwartungen kommuniziert werden:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich… (Micha 6,8)

Das Verhalten eines Menschen ändert sich nicht allein dadurch, dass man ihn liebt. Man muss auch klar zum Ausdruck bringen, in welcher Form man sich Gegenliebe wünscht. So tat es auch Jesus. Er sprach unmissverständlich von den Kosten der Nachfolge und wie diese aussieht. Wir sehen, dass wir auch unsere Erwartungen bezüglich der Verbindlichkeit kommunizieren sollten.

2.2 Wie sollten wir unsere Erwartungen kommunizieren?

Bei dem Thema Erwartungen ist entscheidend, wie man sie kommuniziert. Es ist ausreichend, dass Erwartungen an sich schon fordernd sind. Wenn nun noch übermäßiger Druck oder ein liebloser Ton hinzu kommt, stehen die Chancen schlecht, dass den Jugendlichen verständlich wird, warum Verbindlichkeit so gut und wichtig ist. D.h. die Wortwahl und der Tonfall müssen von Liebe geprägt sein.

Dann sollte man sicher nicht erst warten, bis alles aus dem Ruder gelaufen ist. Gerade wenn das Problem der Verbindlichkeit noch nicht so groß ist, sollte man es ansprechen (Prävention ist das Schlagwort). Sprich das Thema an, wenn möglichst viele da sind und es der Jugend eher besser als schlechter geht. Lass es danach schriftlich an alle gehen, damit alle Bescheid wissen. Das verspricht mehr Erfolg, als den Feuerwehrmann in der Not zu spielen.

Also nächstes ist es wichtig, die Erwartungen möglichst konkret zu äußern. Wenn man möglichst immer da sein sollte, wenn man kann, werden 100% der Jugendlichen denken: Genauso ist das bei mir. Sprich viel mehr die Details an:

  • Wie sollten die Jugendlichen sich verhalten, wenn sie keine Lust haben, zur Jugendstunde zu kommen?
  • Wie sollen sie vorgehen, wenn sie nicht die übliche Mitfahrmöglichkeit haben?
  • Was sollen sie tun, wenn sie gerade eine spannende Serie anschauen oder ein herausforderndes Spiel zocken?
  • Welche Gründe sind für das Fehlen legitim? Kopfweh? Stress mit jemand aus der Jugend? Lernen für eine Prüfung?

Wir können den Jugendlichen mit biblischer Weisheit zeigen, wie Verbindlichkeit in konkreten Situationen aussieht.

Der Köder muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken.

Und zuletzt sollten wir unsere Erwartungen gewinnbringend für die Jugendlichen kommunizieren. Der Köder muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken. Also warum ist es so schlimm, wenn man unverbindlich lebt und was bringt es den Jugendlichen verbindlich zu leben?

2.3 Welche Vor- und Nachteile bietet (fehlende) Verbindlichkeit?

Verbindlichkeit und fehlende Verbindlichkeit haben sehr weitreichende Konsequenzen für die Jugendlichen:

  1. Verbindlichkeit ist die Voraussetzung für gelingende Freundschaften und Beziehungen!
    Jeder Mensch ärgert sich normalerweise, wenn er versetzt wird. Der Aufbau einer guten Beziehung ist nur durch Regelmäßigkeit und gemeinsame Zeit möglich. Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit, Vertrauen, und Zugehörigkeit erfordern Verbindlichkeit! Dies kann durch die Jugendarbeit eingeübt werden. Mache den Jugendlichen deutlich, dass sie am meisten davon profitieren, wenn sie Verbindlichkeit leben, weil sie dadurch Freundschaften fürs Leben bauen und Verbindlichkeit für wichtige Beziehungen in ihrem Leben üben!
  2. Verbindlichkeit bewahrt mich davor Zeit zu verschwenden und ermöglicht mir sie gut zu nutzen.
    Wenn mir die Prioritäten klar sind und ich mich für diese entschieden habe (siehe Teil 1), dann hilft mir Verbindlichkeit die Lust des Augenblicks zu überwinden. Ich bleibe nicht auf dem Bett liegen, sondern weiß, dass ich auch wenn mir gerade nicht danach ist, ich mehr davon habe, wenn ich zur Jugendstunde gehe. Anstatt meine kostbare Lebenszeit mit Belanglosem zu verschwenden, kann ich durch die Jugendstunde an Lebensweisheit dazugewinnen, meine Beziehung zu Gott verbessern, jede Menge Spaß haben…
  3. Verbindlichkeit hilft mir gute Gewohnheiten und einen guten Charakter zu entwickeln und hat letztlich Erfolg als Resultat.
    Das Gegenteil ist der Fall, wenn ich nach Lust und Laune lebe und nichts richtig hingegeben mache. Ein paar konkrete Beispiele aus der Welt des Sports oder der Arbeitswelt genügen, um das deutlich machen. Verbindlichkeit ist die Voraussetzung für Erfolg – auch für den Erfolg der Jugend.
  4. Verbindlichkeit lehrt mich zu lieben und Gott damit zu ehren.
    Die Liebe ist das Wichtigste für uns Menschen und auch für Gott. Verbindlichkeit hat einen hohen Preis – denn ich muss vielen anderen schönen Dingen den Laufpass geben. Aber es lohnt sich, weil ich dadurch Liebe zu Gott und meinen geistlichen Geschwistern zum Ausdruck bringe. Wenn ich die Jugendstunde hinten an stelle, vernachlässige ich normalerweise auch immer meine Gottesbeziehung und meine christlichen Freundschaften.

Vielleicht fallen euch auch noch mehr Vor- bzw. Nachteile ein. Entscheidend ist, dass der Jugendliche davon überzeugt wird, dass es ihm und Gott zum Besten dient verbindlich zu leben.

Ich habe in diesem Artikel versucht zu zeigen, dass es sich lohnt das Thema offen auf den Tisch zu legen und Erwartungen klar zu äußern. Wenn ihr das anders seht, oder noch weitergehende Gedanken dazu habt, dann hinterlasst uns doch einen Kommentar!

Im dritten Teil der Serie „Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit?“ wird es darum gehen, wie wir „Jugendliche zur Verbindlichkeit begleiten“.

Schritt 1: Das Problem der Verbindlichkeit verstehen
Schritt 2: Die erwartete Verbindlichkeit liebevoll kommunizieren
Schritt 3: Jugendliche zur Verbindlichkeit begleiten

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