Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit? Teil 3

Wie erreiche ich Verbindlichkeit in der Jugendarbeit? Teil 3

Wir haben uns in dieser Themenreihe bereits mit der Problematik der Verbindlichkeit und den Vorteilen einer offen und liebevoll kommunizierten Verbindlichkeit beschäftigt. In diesem Artikel wollen wir zum Abschluss die praktische Begleitung von Jugendlichen zum Thema Verbindlichkeit ansprechen. Es geht um einen detaillierten Prozess, wie man so ein Thema aufgreift, thematisiert und im Alltag der Jugendarbeit umsetzt.

Schritt 3: Jugendliche zur Verbindlichkeit begleiten

3.1 Die Jugendleitung ist sich einig

Der erste Schritt beginnt immer bei der Jugendleitung. Trefft euch und sprecht das Thema Verbindlichkeit an:

  • Haben wir den Bedarf das Thema aufzugreifen?
  • Wann haben wir es das letzte Mal kommuniziert?

Ich würde jeder Jugendleitung empfehlen, das Thema mindestens einmal jährlich anzusprechen. Zum Beispiel nach der Sommerpause, wenn es „Neue“ in der Jugend gibt, ist ein geeigneter Zeitpunkt. Außerdem kann man die Jugendlichen nach der Winterpause daran erinnern 😉

Die erfolgreiche Veränderung hin zur Verbindlichkeit beginnt immer bei der Jugendleitung!

Wenn ihr euch einig seid, dass das Thema auf den Tisch muss, dann besprecht miteinander, was ihr eigentlich von den Jugendlichen erwartet bzw. euch wünscht. Folgende Fragen können helfen:

  • Erwarten wir, dass jeder Jugendliche jede Woche zur Jugendstunde kommen?
  • Welche Gründe finden wir für das Fehlen eher akzeptabel und welche eher nicht?
  • Erwarten wir, dass jeder Jugendlichen zu allen Zusatzveranstaltungen kommt?
  • Erwarten wir, dass die Jugendlichen sich abmelden, wenn sie nicht kommen?
  • Bis wann und wie sollten sie Bescheid sagen, dass sie nicht dabei sind? Sollte der Grund auch genannt werden?
  • Wie sollten die Jugendlichen handeln, wenn sie keine Fahrmöglichkeit haben?
  • Was erwarten die Jugendlichen von der Jugendstunde?
  • Was könnte den Jugendlichen helfen verbindlich zu kommen?

Wenn ihr euch auf eine gemeinsame Linie einigen konntet, dann solltet ihr die nächsten Fragen beantworten:

  • Sind wir Vorbilder bezüglich der Verbindlichkeit? Wo eher nicht?
  • Sollten wir „immer“ dabei sein, auch wenn wir bzgl. der Mitarbeit nicht an der  Jugendstunde beteiligt sind?
  • Wie verbindlich besuchen wir den Gottesdienst oder andere wichtige Gemeindeveranstaltungen?
  • Unter welche Umständen kann die Jugendstunde ausfallen? Wie viele müssen abgesagt haben oder mindestens dabei sein?

Die erfolgreiche Veränderung hin zur Verbindlichkeit beginnt immer bei der Jugendleitung! Betet gemeinsam für euch selbst und für die Jugendlichen!

3.2 Die Vermittlung der Themas an die gesamte Jugend

Das Thema Verbindlichkeit muss nicht jedes Jahr das Hauptthema einer Jugendstunde sein, sollte es aber alle paar Jahre mal sein. Das Thema ist so wichtig, dass man es ausführlich thematisieren sollte. Die vorherigen Artikel können dabei eine große Hilfe sein…

Hier ein Vorschlag zum Aufbau der Jugendstunde zum Thema Verbindlichkeit:

  1. Erarbeitet gemeinsam oder in Gruppen, welche „Alternativen“ die Jugendlichen zum „Fehlen“ locken: Was können Gründe dafür sein, dass wir nicht zur Jugendstunde kommen oder kommen wollen?
  2. Besprecht die Bedeutung der einzelnen „Alternativen“. Warum sind die „Alternativen“ so reizend? Was haben wir davon, wenn wir den „Alternativen“ folgen?
  3. Thematisiert den Nutzen von Jugendstunden: Welche Ziele verfolgen wir? Was haben wir davon hier zu sein?
  4. Besprecht, warum man möglichst immer dabei sein sollte! Welche Vorteile und welche Kosten hat Verbindlichkeit für uns?
  5. Zuletzt sollten die konkreten gegenseitigen Erwartungen zum Thema Verbindlichkeit besprochen werden. Was erwarten wir von der Jugendstunde? Was können die Jugendleiter von den Jugendlichen erwarten? Was sollte man tun, wenn man nicht kann? Usw.

Langfristige Wirkung hat z. B. ein Plakat mit den Erwartungen der Jugendlichen selbst

Die einzelnen Schritte kann man unterschiedlich gestalten: Manches kann vorgetragen (z. B. Ziel der Jugendarbeit) und manches von den Jugendlichen allein, in kleinen Gruppen oder gemeinsam erarbeitet werden. Bei manchen Fragen können Bibelverse oder inspirierende Bilder aufgegriffen werden.

Die Vorteile sollten die Jugendlichen möglichst selbst erarbeiten und auch die Erwartungen selbst formulieren, weil sie dann auch viel eher bereit dazu sind. Natürlich kann man dann ergänzen. Punkte wie den Nutzen von Jugendstunden würde ich selbst motivierend vortragen.

Den ganzen Prozess muss man weise steuern: Manchmal muss zu Ehrlichkeit ermutigt werden, manchmal zu konkreteren Aussagen. Am Ende könnte ein Plakat herauskommen, das die Erwartungen für alle lesbar festhält. Das hat Langzeitwirkung!

3.3 Jugendliche persönlich zur Verbindlichkeit begleiten

Es ist wirklich nicht damit getan, dass man das Thema einmal groß durchexerziert. Jugendliche müssen persönlich begleitet werden.

1. Achtet auf die Anwesenheit jedes einzelnen Jugendlichen

Beim Thema Verbindlichkeit heißt das zunächst, dass man die Teilnahme jedes einzelnen Jugendlichen mindestens phasenweise prüft. D.h. nimm dir zwei Monate vor, in denen du die Anwesenheit jedes Jugendlichen verfolgst. Natürlich nicht mit Anwesenheitszetteln, wo sich jeder eintragen muss 🙂 Es funktioniert auch einfach mit einer Liste, die du oder ein anderer Mitarbeiter nach der Jugendstunde ausfüllst.

Nur wenn man die Anwesenheit prüft, kann man auch reagieren. Bei einem Jugendkreis von 10 Personen sollte es auch ohne Liste auffallen, wenn jemand häufig fehlt. Aber bei jeder größeren Gruppe können Einzelne sehr leicht untergehen.

Bei allem geht es immer um den Einzelen

2. Frage die Jugendlichen, warum sie nicht da waren

Wenn dir auffällt, dass jemand häufiger nicht kommt, dann frage nach oder sag einfach etwas wie „Uns ist aufgefallen, dass du ab und zu nicht da bist. Wir haben dich vermisst.“ Viele Jugendliche erzählen dann von ihren Gründen. Auf jeden Fall wissen sie dann aber, dass es auffällt, dass sie nicht da sind. Das ist wertschätzend. Jugendlichen gefällt es, wenn sie gebraucht und vermisst werden.

Natürlich kann es auch falsch ankommen, wenn man nachfragt. Deshalb ist es wichtig, dass die Jugendlichen wissen, was man von ihnen erwartet oder im Besten Fall, was man miteinander vereinbart hat. Außerdem muss immer der Mensch im Mittelpunkt stehen und nicht die Anzahl der Jugendlichen. Das bedeutet, dass man Jugendlichen nicht nur wegen des Fehlens ansprechen oder anschreiben darf, sondern auch sonst eine gute Kommunikation miteinander pflegen sollte.

3. Triff dich mit Jugendlichen, um mit ihnen Prioritäten zu klären

Manchmal ist es offensichtlich und manchmal vertuschen Jugendliche ihre mangelnde Verbindlichkeit. Wir kommen nicht drumherum, uns persönlich mit ihnen zu treffen, um mit ihnen darüber zu reden. Wenn wir nicht dazu bereit sind, werden wir Jugendliche verlieren oder mitverantwortlich für ihre mangelnde Entwicklung sein.

Lass den Jugendlichen selbst den Weg zu mehr Verbindlichkeit vorschlagen

Triff dich zum Essen, auf einen Kaffee oder um gemeinsam etwas zu unternehmen und habt eine gute Zeit zusammen. Frage irgendwann einfach offen, welche anderen wichtigen Dinge den Jugendlichen dazu bringen häufiger die Jugendstunde zu versäumen. Vielleicht kann der Jugendliche auch eine Lösung vorschlagen, wie er es schaffen könnte dabei zu sein? Manchmal werden wir aber auch auf zwischenmenschliche Probleme aufmerksam gemacht oder müssen über Prioritäten reden. Warum ist es besser die Jugendstunde anstatt das Fitnessstudio zu besuchen? Warum ist Verbindlichkeit so wichtig?

Persönliche Gespräche erfordern Zeit und Fingerspitzengefühl. Aber sie können den Jugendlichen um Meilen voran bringen und auch uns helfen Jugendliche besser zu verstehen.

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Alle Artikel der Serie „Verbindlichkeit in der Jugendarbeit“ findest Du unter folgenden Links:

Schritt 1: Das Problem der Verbindlichkeit verstehen
Schritt 2: Die erwartete Verbindlichkeit liebevoll kommunizieren
Schritt 3: Jugendliche zur Verbindlichkeit begleiten

Das soll zum Thema Verbindlichkeit reichen. Man kann schlecht über die Details schreiben, weil es die unterschiedlichste Situationen und Ausnahmen gibt. Aber vielleicht habt ihr noch eine wichtige Frage oder Ergänzung? Wir freuen uns über jeden Kommentar!

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